Internet.org und Free Basics – Keine guten Nachrichten von Facebook für die Netzneutralität

Kürzlich hat Mark Zuckerberg anlässlich einer Telefonkonferenz zu den Umsatzzahlen des ersten Quartals 2018 bekannt gegeben, dass bereits 100 Millionen Menschen, die sonst keinen Zugang zum Internet hätten, durch die Internet.org Initiativen bzw. der Free Basics App* von Facebook mit dem “Internet” verbunden seinen.

Das ist natürlich nicht korrekt. Diese 100 Millionen Menschen sind nicht mit dem Internet verbunden, wie wir es kennen, sondern mit einer App, die eher mit CompuServe aus den 1990er Jahren vergleichbar ist, als mit dem World Wide Web. Es sind zwar mittlerweile ungefähr 1500 Dienste, die über die Free Basics App verfügbar seien, aber das ist ein Klacks zu den hunderten Millionen Diensten, die das Web bietet.

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Kurz nach der Meldung über den grossen Nutzerzuwachs wurde bekannt, dass der Service in Myanmar und einer Handvoll anderer Staaten seit einigen Monaten nicht mehr verfügbar sei. Diese Nachricht, kann aber leider keine Hoffnung dafür bieten, dass der Dienst an seinen Zenith gestossen wäre. Im Gegenteil, es sieht ganz danach aus, dass Facebook, möglichst lautlos, sein eingeschränktes Zero-Rating-Internet erfolgreich weiter ausbauen wird. Keine guten Nachrichten für die Netzneutralität und keine guten Nachrichten für die Menschen in den betroffenen Ländern.

*Free Basics ist eine App, die Facebook im Rahmen der Internet.org Initiative zusammen mit Telcos durch Zero-Rating-Angebote in Entwicklungsländern betreibt. Das bedeutet, dass den Nutzern der App keine Datenpakete abgerechnet werden. Wer diese Kosten letztendlich trägt ist unklar. 

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Das dezentrale Web im Kampf gegen Zentralisierung

Das Internet ist ja für viele das Beispiel für ein dezentrales Netzwerk. Man kann das mit guten Gründen in Frage stellen (siehe unten), doch vor allem die darüberliegende Schicht, das World Wide Web, konnte sich nicht zuletzt dank seiner nicht-hierarchischen Struktur in solch kurzer Zeit so schnell verbreiten und die gesellschaftlichen Umwälzungen anstossen, deren Zeugen, Betroffene und Akteure wir sein dürfen.

Seit einiger Zeit lassen sich aber verschiedene Entwicklungen beobachten, die dieser dezentralen Organisationsform entgegenwirken. Facebook vereinigt einen grossen Teil der aktiven Netzbevölkerung auf seiner Platform. Apple scheint das Ziel zu verfolgen, die Netzinhalte für Mobile Geräte über ihre zentralen Strukturen zu schleusen. Der weitaus grösste Teil der Online Videos wird auf YouTube gehostet, die Fotos auf Flickr usw. Auch Cloud Computing bedeutet, zumindest auf der Infrastrukturebene vor allem eines: Zentralisierung.

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