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Buchpreisbindung – Ein Schutzgesetz für eine Branche die pennt und sowas nicht verdient.

Es sieht nun ganz so aus, als ob wir in der Schweiz tatsächlich eine gesetzlich geregelte Buchpreisbindung erhalten werden.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird nach der Differenzbereinigung durch den Nationalrat ein Gesetz in Kraft treten, welches gemäss dem vorläufig formulierten Artikel 1 folgenden Zweck erfüllen soll:

a. die Vielfalt und die Qualität des Kulturgutes Buch fördern;
b. möglichst vielen Leserinnen und Lesern den Zugang zu Büchern zu den bestmöglichen Bedingungen gewährleisten.

Das ist natürliche eine Lachnummer und es wäre ja auch lustig, wenn die Situation nicht so ernst wäre.

Dadurch, dass es den Verlagen ermöglicht wird festzuschreiben zu welchem Preis ein Händler ein Buch verkaufen darf, soll also die Vielfalt und die Qualität des Kulturgutes Buch gefördert werden?

Dadurch, dass den Buchhändlern genau vorgeschrieben wird, dass sie Bibliotheken die nicht mehr als 500’000 CHF bei ihnen ausgeben pro Jahr keinen höheren Rabatt als 10% geben dürfen, soll also gewährleistet werden, dass möglichst viele Leserinnen und Leser den bestmöglichen Zugang zu Büchern haben?

Ich bin fassungslos, wie sich Parlamentarier von Links bis Rechts zu diesem Gesetz entscheiden konnten, dass nichts anderes bringen wird, als den Schutz vor Wettbewerb für ein paar ausländische Grossverlage und Grossbuchhändler.

Vor allem bildet das Gesetz zur Buchpreisbindung die Grundlage für viel weitreichendere Regulierungen, die später unweigerlich folgen werden. Die Ausweitung des Geltungsbereichs auf elektronische Bücher bzw. Medien und auf den Versand aus dem Ausland ist doch nur eine Frage der Zeit, denn die Nutzniesser des geschützten Marktes werden sich kaum mit dem Erreichten zufrieden geben.

Gleichzeitig werden andere Anbieter von Inhalten, wie Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in der Folge auch einen besonderen Schutz einfordern, wie das in Deutschland mit dem Leistungschutzrecht ja bereits vorgemacht wird.

Dieses Gesetz ist ein reines Marktschutzgesetz für eine Branche, die die Entwicklung verpennt und die vorhandenen Potentiale nicht nutzt. Die Buchbranche hat einen solchen Schutz nicht verdient.

Durch die Buchpreisbindung werden wir in der Schweiz im Bezug auf innovative Prozesse des Kulturgütervertriebs noch weiter ins Hintertreffen geraten.

Es wird damit weder die Vielfalt noch die Qualtität des Kulturgutes Buch gefördert, sondern einfach das Preisniveau künstlich oben gehalten.

Wenn der Gesetzgeber wirklich ein ernsthaftes Interesse daran hätte möglichst vielen Lesern den Zugang zu Büchern zu den bestmöglichen Bedingungen zu gewährleisten, dann würde dieser Gesetzgeber, die Verlage dazu zwingen ihre Bestände der vergriffenen Bücher von Google scannen zu lassen oder selber ins Netz zu stellen. Oder das Parlament würde dafür sorgen dass jedes veröffentlichte Buch auch online verfügbar und damit x-fach kostengünstiger bereit gestellt wird, usw.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, vielleicht gibt es ja bei der Schlussabstimmung im Nationalrat noch eine Kehrtwende…aber ich rechne mal mit dem Schlimmsten.

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2 Responses to Buchpreisbindung – Ein Schutzgesetz für eine Branche die pennt und sowas nicht verdient.

  1. Roger Huber 2. März 2010 at 20:52 #

    Gemach, noch ist nicht allerTtage Abend. Nachdem der Stnderat den Internethandel ausgeschlossen hat, also Internetshops in der Schweiz Bcher ohne eine Buchpreisbindung verkaufen knnen, wrde es mich wundern, wenn die Linke das Gesetz im Nationalrat noch mal untersttzen. Ich kann mir vorstellen, dass das Gesetz am Schluss gar nicht in Kraft tritt. Denn so wie es jetzt ist, hilft es keiner Partei. Dann doch lieber nichts und weiter mit freien Preisen.

  2. Richard Wurz 3. März 2010 at 17:46 #

    Das Sterben oder berleben von kleineren und mittleren Buchhandlungen hngt sicher nicht von der Preisbindung ab, sondern ausschliesslich von den (noch) lesenden Menschen und den ihnen zur Verfgung stehenden Mitteln, vor allem technischem Ursprungs. Frau und Mann whlen lngst auch beim Bucheinkauf den einfachsten Weg via Internet und stets mit der Frage: Wo ist es am billigsten. Dabei lesen sie vor allem jene Bcher, von denen sie in den Medien oder im Internet "hren" oder von Freunden empfohlen. Sie haben keine Zeit mehr ihre Neugierde zu stillen und im Buchladen zu stbern und im Gesprch mit den BuchhndlerInnen "anderes" zu entdecken. Und nur so nebenbei angemerkt. Bei einer Durchschnittsmarge von 30%, bei Sachbchern 20%, ist es fr eine Buchhandlung nur dann noch interessant zu berleben, wenn die Bchersuchenden nicht nur dann in der kleineren und mitteleren Buchhandlung einkaufen, wenn sie es sonst nicht sofort finden.

    Doch wie schn formuliert es Andreas von Gunten doch: Der Buchhandel hat die Zukunft verpennt und alleine die Marktwirtschaft bestimmt den Verlauf der Dinge. Sicher wrude der Buchhandel ber viele Jahre von der Preisbindung mitgetragen und hat sich eine Art Preisinsel schaffen knnen. Geschadet hat dies dem Buch und den LeserInnen sicher nicht und die BuchndlerInnen sind dabei auch nicht reich geworden. "Verpennt" hat er sicher die gesellschaftliche Entwicklung, die darauf basiert "fr immer weniger Geld immer mehr Inhalt" und selbst das Buch nicht als Trger von gedruckten Zeilen, sondern als erarbeitetes Werk verstanden hat.

    Der Wettbewerb soll funktionieren, einverstanden. Dieser hat auch verbunden mit den Sparmassnahmen und hrteren Kalkulationen dazu gefhrt, dass die Vielfalt der Bcherwelt immer weniger ausgewogen ist. Immer weniger bestimmen aufgrund finanzieller belegungen, was noch publiziert werden soll. Das kann auch eine Preisbindung nicht verhindern, denn das Sparsystem – sprich Marktwirtschaft – hat sich lngst eingebrgert…. Mehr anzeigen

    Ob das Buch ein Kulturgut ist oder nicht, na ja, darber wird diskutiert und gestritten. Doch sei festgehalten, dass ohne Bcher vieles aus der Vergangenheit, Gegenwart und letztlich Zukunft nicht nach zu vollziehen wre. Ganz abgesehen davon, dass Bcher zur Bildung und Weiterbildung von "Kindsbeinen" an dazu gehren (sollte). Wenn ich nun lese, dass Andreas von Gunten "seine" Bcher am liebsten auf PDF hat, dann erbrigt sich die Diskussion. Dann will er keine Bcher, sondern Lesestoff und kann nicht abschtzen, wie wertvoll es ist ein Buch in den Hnden im bequemen Sessel sitzend lesen und ein Glschen Wein zu trinken.

    Wrde die Preisbindung etwas dazu beitragen, dass man ein Buch nicht nur als beschriebenes Papier betrachtet, sondern als Ganzes zur Kenntniss nimmt, dann gbe es nur ein Ja fr die Preisbindung. Das wird aber nicht eintreffen. Dafr treffen wir uns wieder beim Buchhndler um die Ecke, vor Ort, und unterliegen nicht weiter dem Trugschluss bei den "Grossen" oder im Internet finde man die Welt der Bcher.

    ps: Andreas – der Wein steht immer noch bereit
    vor 4 Minuten

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