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Wenn Kulturjournalisten auch PR-Manager sind

In der gedruckten NZZ von heute, wie auch online, ist ein Beitrag erschienen, der die Kultur des „Do-it-yourself“ in der Welt der Pop-Musik zu analysieren vorgibt. 

Die Autorin kommt im Artikel, zusammen mit einem Vertreter der Verwertungsgesellschaften, die derzeit in der AGUR12 darauf hinarbeiten eine Zensur- und Überwachungsinfrastruktur in der Schweiz aufzubauen, zum Schluss:

«Mit DIY 2.0 alleine nämlich hat noch niemand den Durchbruch geschafft.»

Der Grundtenor des Essays ist denn auch, dass sich trotz Demokratisierung der Musikproduktion und -distribution, die Rolle der professionellen Musikindustrie nicht wesentlich verändert habe und dass jeder Musiker, der versucht, selber möglichst viele Teile der Wertschöpfungskette zu kontrollieren, bald mal ernüchtert aufgeben wird.

Unabhängig davon, dass diese Aussage zumindest fragwürdig ist, ist vor allem auch pikant dabei, dass die Autorin scheinbar selber als PR-Beraterin bei einem Label arbeitet. PR-Managerin und freischaffende Journalistin gleichzeitig zu sein, ist ein schwieriges Unterfangen. Es zeigt aber sehr schön, wie der Pop-Kulturjournalismus funktioniert: Meistens gar nicht, er ist fast immer PR.

Aus diesem Selbstverständnis heraus agieren auch die Protagonisten der Pop-Industrie und der Verwertungsgesellschaften, wenn es um die Diskussionen um das Urheberrecht geht.

All die schönen Veranstaltungen, die den Dialog zum Thema Urheberrecht ermöglichen sollen, sind reine PR-Veranstaltungen. Es geht nicht darum, gemeinsam nach sinnvollen Lösungen zu suchen, sondern darum, die Öffentlichkeit und die politischen Entscheidungsträger zu blenden und zu manipulieren, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

Schade, dass offenbar selbst Vertretern der Indie-Szene nichts besseres mehr einfällt, als zu behaupten, die neue Welt sei für die Musikschaffenden schlechter als die alte.

Der Vorwurf der „Selbstausbeutung“ wird übrigens meistens von denen vorgebracht, denen die Beute auszugehen droht.

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