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Von wegen goldene Zeiten: Schweizer Schlager-Interpreten der 1970er Jahre erzählen, wie wenig sie verdienen.

 

Von wegen goldene Zeiten

Wir wissen, dass es für Pop- und Rock-Musiker und Musikerinnen in den 1980er Jahren in der Schweiz sehr schwer war, den eigenen Lebensunterhalt mit Konzerten zu verdienen. Hier haben wir nun ein paar Trouvaillen aus dem SRF Archiv ausgegraben, die zeigen, dass es auch mit den Einnahmen aus dem Schallplattenverkauf von Schlagermusik in den 1970er Jahren für die Künstler nicht weit her war und dies obwohl der Schlager in dieser Periode gerade wieder einmal eine Blütezeit erlebte.

Hören wir zum Beispiel Sue Schell von Peter, Sue & Marc zu, wie sie die Situation für ihre Band kurz vor dem Release ihrer Eurovisions-Single Djambo Djambo 1976 schildert:

 

«Viele Leute meinen zum Beispiel auch, dass man durch den Plattenverkauf ungeheuer verdienen würde, Millionär würde und leider ist das überhaupt nicht so, denn pro Single verdient man ungefähr 10 Rappen und in unserem Fall teilen wir das auf durch drei, das sind 3 1/3 Rappen und von dem könnten wir überhaupt nicht leben und darum haben wir alle noch unsere Berufe…»

Im Falle von Peter, Sue & Marc muss man zwar berücksichtigen, dass ihre grösseren Hits erst nach der Aufzeichnung dieses Gespräches erschienen sind, aber auch die Situation von damals bereits etablierten Künstlern war nicht besser. So sagt Guido Eugster, vom Trio Eugster, einem Familienunternehmen, das damals bereits eine eigenes Label führte, damit sie wenigstens etwas mehr vom Kuchen abschneiden konnten:

«Das geht uns genau gleich [wie Peter, Sue & Mark], also von den Platteneinnahmen alleine könnten wir nicht leben, das müssten schon Spitzenzahlen sein, dass man vielleicht einmal ein Jahr lang davon leben könnte. Aber das bräuchte, wir sind ja zu dritt mit Familie, das bräuchte also Platten-, also Lizenzeinnahmen in der Grössenordnung von fast 100’000 Franken im Jahr und das ist in der Schweiz einfach nicht drin.»

 

Von einer Single, die in einer Auflage von 5000 Stk. produziert und zu 6 Schweizer Franken über den Ladentisch ging, bekamen die Urheber ca. 40 Rappen und die Interpreten 10 bis 15 Rappen:

 

Und bei den LP’s sah es auch nicht besser aus. Von den 25 Franken Ladenpreis gingen 1.30 an die Urheber und 40-60 Rappen an den Interpreten.

 

Das Problem war damals dasselbe wie heute. Es gab viel Musik und nur wenige Hits, die den ganzen Rest der Industrie finanzierten und es gab lustige Typen, die auf das grosse Los hoffen, wie dieser hier:

 

«Man nimmt ungefähr an, dass jede hundertste Platte einen Hit geben könnte. Ich bin noch nicht soweit, ich habe noch nicht hundert herausgebracht, also wir hoffen immer wieder, dass wir grosse Erfolge erreichen können, aber berechnen lassen sich diese überhaupt nicht, das ist ein wenige eine Lotterie.»

Nun denn, hoffen wir für diesen Mann und seine Schlagersternchen, dass der Erfolg sich dann irgendwann mal eingestellt hat. Falls jemand von Euch weiss, wer das ist, wäre ich um einen Hinweis froh, eventuell wäre ein Gespräch mit ihm noch interessant.

Die Videozitate stammen aus dem SRF Archiv-Beitrag „Schweizer Schlagerbusiness in den 70er Jahren„.

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