Die Frage ist nicht primär, wer die Strippen zieht, sondern wie wir sie sichtbar machen

Photo by Pablo Hermoso on UnsplashPublic Domain-ähnlich

Im Tages-Anzeiger Magazin ist eine Reportage über die vermeintlichen Strippenzieher bei der Konstruktion des Feinbildes „George Soros“ erschienen (hier ist die Version ohne Paywall bei 12 App). Es seien die beiden Politberater Arthur Finkelstein und George Birnbaum gewesen, die den „Bösewicht Goerge Soros“ ‚erfunden‘ hätten. Die Story ist auf jeden Fall spannend und führt uns wieder einmal vor Augen, dass es Menschen gibt, die der Welt ihre Sicht der Dinge um jeden Preis aufdrücken wollen.

Allerdings ist auch Vorsicht geboten, wenn der Lauf der Geschichte auf die Handlung einiger weniger einzelner Menschen reduziert wird. Es mag schon richtig sein, dass die beiden Politikberater eine wichtige Rolle gespielt haben, aber George Soros als Feindbild war bereits vorhanden. Er musste nicht erfunden werden. Sie konnten auf einer Grundlage von Vorurteilen und dürftigen Informationen aufbauen und als Verstärker wirken.

Solange wir nicht lernen, solche Phänomene so zu erklären, dass die strukturellen Bedingungen, die sie hervorbringen, sichtbar und dadurch kritisierbar werden, so lange werden wir die Marionetten in diesem Spiel bleiben. Denn sobald wir einen Spieler entlarvt haben, kommt der nächste, der die Strippen übernimmt, schon angerannt. Wir sollten versuchen die Strippen sichtbar machen, damit wir sie zerreissen können.

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