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Die Reichen und ihre Filets

Der Kommentar im gedruckten Tages-Anzeiger von heute, 27.6.2008 (nicht online verfügbar), zeigt ja grundsätzlich in die richtige Richtung. Ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz wäre auf jeden Fall zu wünschen und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, obwohl es dummerweise sehr viele gibt, die vom heutigen System profitieren, aber lassen wir das.

Der eigentliche Grund für diesen kurzen Blogeintrag ist dieser Satz von Philipp Mäder in seinem Kommentar:

…wenn auf Lebensmitteln nur 2,4 Prozent Mehrwertsteuer er­hoben werden, profitieren davon Rei­che stärker als Arme: Sie kaufen eher ein Filet als einen Cervelat.“

Dieses Argument für die Aufhebung des tieferen Satzes für Produkte des täglichen Gebrauchs ist doch sehr amüsant. Der böse Reiche profitiert beim Filet einkaufen vom tiefen Satz, der eigentlich extra für die Menschen mit weniger verfügbarem Einkommen eingeführt wurde. 

Was sehen wir hier? Es geht Herrn Mäder nicht darum, dass es Ärmeren besser geht, sondern darum, dass es Reicheren schlechter geht. Und das ist genau das Problem in den meisten Umverteilungs- oder Gerechtigkeitsdiskussionen. Für viele ist es einfach ein Problem, dass jemand mehr hat als jemand anders. Aber eigentlich ist doch dass Problem, dass es Menschen gibt die zu wenig haben. Und es muss in erster Linie darum gehen, dafür zu sorgen, dass diese mehr haben und nicht dass die anderen weniger haben.

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3 Responses to Die Reichen und ihre Filets

  1. Pascal 17. Oktober 2008 at 19:25 #

    Genau Andi, denn:

    dene wos guet geit
    gings besser
    giengs dene besser
    Wos weniger guet geit

    Mani Matter meint dann in der Folge,

    was aber nid geit
    ohni dass’s dene
    weniger guet geit
    wos guet geit

    Wenn Deine These stimmt UND Mani Matters‘, dann …

    … wollen eben die Reicheren nicht, dass es keine mehr gibt, denen es schlecht geht.

    Gestern bei schbacher war Richard David Precht zu Gast. Precht ist ein Philosoph. Sein Bestseller heisst "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?" (ber 300’000 Stck verkauft, bravo!). Precht meint: ein Schlssel zum Glck ist, sich weniger zu vergleichen. Vergleiche Dich nur mit jenen, die Du liebst oder wenigstens gern hast. Sonst machst Du einen unfairen Vergleich: Du vergleichst Dich mit Leuten, die Du nicht sein willst. Auf sie neidisch zu sein, ist natrlich Unsinn. Wenn Du aber nur mit jenen vergleichst, die Du liebst, dann entsteht kein Neid.

    So, wer viel hat und jene liebt, die wenig haben, der wird wohl auch damit einverstanden sein damit, dass jene mehr haben, die wenig haben. Noch besser, es macht ihn glcklicher.

    ps

  2. Verstrker 3. November 2008 at 16:36 #

    Etwas spt, aber: Falls ich das richtig verstanden habe, gehts hier um die Frage, ob man beim Konsum das Prinzip der Progression anwenden soll.

    Da das aber rein quantitativ nicht funktioniert (ab 10 Cervelats msste die Mehrwertssteuer steigen), versucht man nun die Grundbedrfnisse qualitativ vom ganzen Rest zu unterscheiden. Das empfinde ich als legitim.

    Beim liberalen Ansatz geht vergessen, dass es eine obere minimale Konsumgrenze gibt, das heisst, der Mensch kann sich nicht beliebig nach unten beschrnken.

    Falls man nun bei Grundnahrungsmitteln einen tieferen Mehrwertseuersatz ansetzt, wo liegt dann das Problem, ausser dasjenige der Perspektive? Zahlen jetzt die da unten zu wenig oder die da oben zuviel?

  3. aehm 19. Februar 2009 at 21:33 #

    je hher das einkommen ist, desto geringer ist der anteil der fr lebensmittel ausgegeben wird. wer doppelt so viel verdient, gibt i.d.r. nicht das doppelte fr lebensmittel aus. und wer viermal so viel verdient, der sicher nicht vier mal mehr. wer nmlich viel mehr verdient, geht dafr z.b. mehr ins restaurant oder er/sie kauft sich einen netten porsche.

    eine erhhung der mwst auf lebensmittel trifft tiefere einkommen berproportional und msste also einhergehen mit der entlastung von solchen einkommen bei den direkten steuern.

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