Software as a Service wäre eigentlich eine Chance für den Schweizer Softwaremarkt

Spätestens seit dem fulminanten Erfolg von Salesforce.com, mit mittlerweile fast 400’000 Benützern und über 20’000 Organisationen als Kunden, muss auch in unseren Breitengraden klar geworden sein, dass das Software as a Service Modell (SaaS) nicht einfach als amerikanischer Hype beiseite geredet werden sollte.

Die hohe Zahl der Neugründungen in den USA mit Angeboten aus allen erdenklichen Softwarebereichen, von einfachen Content Management Systemen über klassische Office Anwendungen bis hin zu ausgereiften CRM und ERP Systemen, sollte mittlerweile auch den letzten Zweifler davon überzeugen, dass wir uns mitten in einem Paradigmenwechsel befinden.

Seit mehr als 5 Jahren sind wir mit den Organisationen im Nutzwerk überzeugte Kunden solcher Services. Jedesmal, wenn ich allerdings mit Schweizer Softwareherstellern darüber diskutiere, seien es nun Anbieter von Speziallösungen wie Zeiterfassung oder Projektmanagement, oder ERP Anbieter, winken diese ab und versuchen mir klar zu machen, dass der schweizer KMU nie im leben seine Daten irgendwo im Netz haben wird, und dass die Abhängikeit von der funktionierenden Internetverbindun zu gross sei, usw.

Ich kann hier einfach entgegnen, dass wir schon mehr Kunden, als vielen lieb ist, in der Schweiz geholfen haben die CRM Lösung Salesforce.com einzuführen. Wohl alle diese Kunden werden bei jeder neuen Applikation die sie suchen, zuerst im SaaS Markt ausschau halten.

Die Abwehrhaltung der hiesigen Softwarebranche ist äusserst unverständlich. Bringt dieses Modell doch auch mit, dass die Karten im internationalen Softwareumfeld völlig neu gemischt werden, was gerade für die Schweizer Entwickler neue Chancen bietet.

Ein grosses Problem von Softwareherstellern ist zum Beispiel das Sicherstellen des technischen Supportes im Bezug auf Integration, und das bereitstellen der Software auf allen möglichen Konfigurationen. Um diese Kosten zu verteilen, benötigen die Hersteller eine grosse Zahl an Installationen und Lizenzverkäufen. Genau dieses Problem stellt sich für den SaaS-Anbieter aber nicht mehr, da er sich nur auf seine eigene und einzige on demand Plattform konzentrieren muss. Die ganze  Logistik im Bezug auf Verteilung von Software auf Datenträgern fällt auch weg. Die Entwickler des Anbieter können sich nahezu 100% auf die Funktionalitäten der Lösung konzentrieren und nicht darauf, dass sie auch noch unter der exotischsten Linux Distribution installiert werden kann. Nicht zu sprechen von der viel einfacheren Vermarktung einer SaaS Anwendung. Zum Beispiel weil ein potentieller Interessent, das Produkt sofort ausprobieren kann.

Dies gilt natürlich nur dann, wenn er das Model wirklich ernst nimmt und nicht gleichzeitig on-premise Anbietet. Sobald die Lösung auch beim Kunden installiert werden kann, sind diese Vorteile des SaaS Modells weggezaubert und genau darum wird dieses hybride Modell auch nicht überleben. Die Aufgabe besteht also nicht darin, die bestehenden Lösungen einfach im ASP Modell anzubieten, wie das einige Versuchen. Die Weg zum Erfolg heisst, die klassische Lösung solange Weiterpflegen wie nötig und parallel dazu eine neue Webbasierte Lösung mit einer von Anfang an auf das SaaS Modell ausgerichteten Systemarchitektur zu entwickeln.

Also Hopp Schwiitz, bringt endlich Eure Lösungen als Service auf dem Markt und verabschiedet Euch vom alten Software Paradigma. Wenn ihr es nicht tut, werden die Amerikaner kommen. Sie sind schon in den Startlöchern. Salesforce.com war erst der Anfang.

 

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