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Das «dirty little Secret» der Buchbranche und wer eigentlich Interesse an der Buchpreisbindung hat.

Wir stehen nun also ein paar Tage vor der Entscheidung ob in der Schweiz die Buchpreisbindung eingeführt wird oder nicht. Ich finde dieses Gesetz vor allem falsch, weil es all das, was die Befürworter versprechen, nähmlich die Förderung des Kulturgutes Buch und des Schweizer Literaturschaffens nicht unterstützt, sondern verhindert.

Mir und vielen anderen Gegnern dieses Gesetzes geht es doch nicht darum, dass irgendein Bestseller beim Ex-Libris ein paar Franken günstiger eingekauft werden kann. Nein, man kann auch gegen dieses Gesetz sein, weil man genau das erreichen will, was das Gesetz verspricht. Ich will Vielfalt, Vielfalt der Werke, der Autoren, der Verlage, der Distributionsprozesse, der Buchhändler und der Verkaufsstellen, weil nur eine solche Vielfalt eine reiche Kultur des Buches und der Autoren hervorbringen kann.

Die Buchbranche ist in den letzten 20 Jahren eine stark zentralisierte Branche geworden, und die Buchpreisbindungsgesetze fördern genau diese Zentralisierungstendenzen.

Ich weiss den Brancheninsidern ist das bewusst, aber für die anderen vielleicht interessant zu wissen, dass zum Beispiel die Verlage S. Fischer, Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch (KiWi), Argon, Droemer Knaur, Macmillan, J.B. Metzer und einige weitere zur Verlagsgruppe von Holtzbrinck gehören, dass die Verlagsgruppe Random House, die wiederum zu 100% Bertelsmann gehört, mehr als 200 Verlage besitzt und dass auch der Ullstein Verlag mittlerweile ein kleiner Buchkonzern ist, der Verlage wie Econ und Propyläen unter seinem Dach vereinigt.

Es ist zwar schon richtig, dass es viele kleine Verlage und viele kleine Buchhandlungen gibt, die um das Überleben kämpfen. Aber der Grund dafür ist nicht die fehlende Preisbindung, sondern der Umstand, dass sich die Welt verändert. Diesen Veränderungsprozess machen sich derzeit vor allem die globalen und einzig dem Kapitalertrag verpflichteten Konzerne zu nutzen. Diese Konzerne, die es nicht nur auf der Verlagsseite, sondern auch auf der Handelsseite gibt, tun so, als ob sie kleine nette Verlagshäuser oder Buchhändler wären. 

Wer von den Kunden weiss zum Beispiel, dass die Buchhandlung Stauffacher in Bern eigentlich eine Filliale von Thalia Schweiz ist und zu 100% zur Thalia Gruppe gehört? Selbst auf der Website von Stauffacher wird in der Fusszeile von der Stauffacher Buchhandlungen AG gesprochen, obwohl es diese Firma seit 2009 nicht mehr gibt, da sie mit Thalia fusioniert wurde. Auch im Impressum steht nichts von Thalia. Auf der Website von Thalia Schweiz findet man wiederum keine Angaben darüber, welche Buchhändler eigentlich zur Gruppe gehören. Thalia wiederum gehört übrigens zum weltweiten Parfüm-Handelskonzern namen Douglas Holding. Honi soit qui mal y pense.

Wenn wir diese Strukturen betrachten ist auch klar, warum soviel Geld für die Ja Parole in die Abstimmungskampagne gepumpt wird. Es war noch nie so, dass bei Verbänden und politischer Lobbyarbeit die kleinen Player eines Marktes eine gewichtige und laute Stimme gehabt hätten. Und es ist kaum vorstellbar, dass sich diese grossen Konzerne der Buchbrache für die Preisbindung stark machen, weil sie die kleinen Buchhändler oder die Schweizer Autoren retten wollen. Nein, dass einzige was die Manager dieser Unternehmen ausbauen wollen, sind gesetzlich geschützte fette Margen.

Dieses Gesetz sollte es angenommen werden, macht die grossen Konzerne noch mächtiger, und bindet die kleinen Verleger und Buchhändler, deren einzige Chance noch Agilität und Innovationspotential wäre, an Ketten.

Wer das Buch liebt, wer die Autoren und die kleinen Buchhandlungen vor dem Zugriff von Grosskonzernen und Managern, die sich wenig um Inhalte, sondern vor allem um die Rendite für die Aktionäre kümmern, schützen will, sagt am Sonntag „NEIN“ zur Buchpreisbindung in der Schweiz.

(Text: CC BY-SA 3.0, Bild: © felix – Fotolia.com)

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