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Ist es wirklich sinnvoll in der Schweiz noch in DAB+ zu investieren?

dabplusch

Ich höre relativ viel Radio. Am morgen beim Aufwachen, um 12:30 vor dem Mittagsschläfchen, am Abend beim Kochen und bei vielen anderen Tätigkeiten, die nicht meine volle Aufmerksamkeit verlangen. Ich habe sogar einen DAB+ Empfänger, doch ich wüsste nicht, wann ich den das letzte Mal eingeschaltet habe und ich werde den wohl bald auf Ricardo entsorgen.

Mehr oder weniger alle Radiostationen dieser Welt können via Internet ‚empfangen‘ werden und so ziemlich jede, auch nur halbwegs interessante Sendung, ist als Podcast verfügbar. Ich höre Radio via Smartphone, via Tablet und via Computer, sowohl Zuhause, im Büro, als auch unterwegs. In der Schweiz, mit unseren gut ausgebauten Netzen ist das völlig problemlos. Und wer schon einmal in einem Tesla gefahren ist, weiss, wie die Zukunft der Auto-Innenausstattung aussieht. Es ist völlig unbestritten, dass sehr bald jedes Fahrzeug mit dem Internet verbunden sein wird und selbst in alten Fahrzeugen können Smartphones angeschlossen werden.

Vor ein paar Tagen hat das Bundesamt für Strassen ASTRA bekannt gegeben, dass sie 30 Millionen Franken in die DAB+ Infrastruktur in Strassentunnels investieren. Es wäre wohl sinnvoller, dafür zu sorgen, dass in den Strassentunnels der Internet-Empfang gewährleistet ist und dass die Schweiz auch den mobilen Breitband-Internet-Zugang als Basisinfrastruktur für die ganze Bevölkerung und die Wirtschaft versteht. DAB+ ist eine Technologie ohne Zukunft. Es gibt nur ein Netz, auf welches wir uns konzentrieren müssen, und das heisst Internet.

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9 Responses to Ist es wirklich sinnvoll in der Schweiz noch in DAB+ zu investieren?

  1. Gerry 19. April 2016 at 10:37 #

    Das ist falsch. Ich nutze DAB+ im Auto und bin glücklich. Kein verkrostes Sendesignal mehr, sondern einfach in bester Qualität Radio. UKW höre ich nur noch im Ausland, weil die Sendersuche bei DAB+ noch etwas kompliziert ist und während dem Autofahren nicht ratsam ist.
    Internet im Auto wird in den nächsten Jahren nicht funktionieren. Das Netz macht ja schon schlapp, wenn eine kleinere Grossveranstaltung ist. Was passiert denn, wenn man im Stau steht und Hunderte gleichzeitig streamen wollen/müssen? Geht nicht. Mindstens nicht mit der heutigen Technologie. Es ist ja nicht mal im Zug störungsfrei möglich. Ab wann sollen die Regionalzüge mit Wlan aufgerüstet werden? 2020?
    Darum gib DAB+ im Auto eine Chance. (Im übrigen: kann auch ich im Auto via bluetooth und Handy aufs Internet wechseln und so Sender hören- mache ich aber selten.)

    Dann hat nicht jeder eine Flat für Internet, geschweige denn Roaming fürs Ausland.

    • Emi 19. April 2016 at 14:52 #

      also ich kann von Bern nach Zürich unterbrechungsfrei tunein.com und qobuz.com streamen – heute schon…

    • Andreas Von Gunten 19. April 2016 at 14:57 #

      Es ist eine Frage der Prioritäten. Klar müsste der mobile Internet-Zugang noch besser werden, aber das kann man lösen. Ich gehe davon aus, dass DAB+ in 10-15 Jahren bedeutungslos sein wird und denke darum, dass wir besser jeden Franken in die IP-Netz-Infrastruktur investieren. Das es mit den Zügen so lange geht, verstehe ich auch nicht.

    • Markus 19. April 2016 at 17:01 #

      Haben wir heute nicht das verlangen mit bestimmen zu wollen, welche Musik läuft? Ich zu meinem Teil benutze einen Bluetooth zu FM-Transmitter um im Auto Spotify zu hören. Viele Koleggen (18-23 Jährige) schliessen ihr Smartphone mit einem Audio Kabel an.

      Funktioniert unterbrechungsfrei. (Wobei Spotify stark buffert, Internet darf also auch mal für eine Minute ausfallen.)

      DAB+ ist bei vielen Leuten noch gar nicht angekommen. Ich kenne nur eine Person, der überhaupt einen DAB+ Radio im Auto hat.

  2. Michael Sennhauser (@sennhauser) 19. April 2016 at 15:24 #

    Das ist doch auch ein Provider Problem. Dass die SRG DAB+ weiter pflegt, hat damit zu tun, dass die Angebote niederschwellig verfügbar sein sollen. Unter anderem auch im Auto. Solange der Internetzugang zusätzlich kostet und die Netzneutralität immer weiter unterwandert wird, ist der Wunsch nach einem Ersatz für die alten Broadcast-Systeme verständlich. Der Sender zahlt, nicht der Empfänger. Aber genau das wollen wir ja im Netz nicht haben. Da steckt ein Dilemma.

    • Andreas Von Gunten 19. April 2016 at 16:01 #

      @sennhauser: Klar. Ich habe ja kein Problem damit, dass wir derzeit ein DAB+ Angebot haben. Ich frage mich nur, ob wir wirklich noch viel weiteres Geld in die Infrastruktur stecken sollen und nicht besser die IP-Infrastruktur ausbauen. Mir ist klar, dass das eine grosse Frage mit vielen Implikationen ist.

  3. Gerry 19. April 2016 at 15:37 #

    Ich bin gespannt. Noch finde ich DAB+ toll. Aber: eine Internet-lösung ist noch nicht in Sicht. Obwohl ansatzweise schon ein paar „Wunder“ möglich sind. So schafft es TomTom mit einer integrierten SIM-card (welche nicht entfernt werden kann), dass in Europa ihr Dienst via MobileData läuft. Ohne Mehrkosten. Einfach so.

    Wenn sowas auch für Radio möglich wäre. Und auch belastbar bei Spitzenzeiten, dann.. ja dann. wäre es die Lösung. Bis dahin…

  4. Andreas Von Gunten 20. April 2016 at 7:40 #

    Bin hier gerade noch über einen FAZ Artikel zum Thema gestolpert: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-umstellung-auf-das-digitale-radio-lohnt-nicht-14178774.html

  5. Andreas Von Gunten 24. April 2016 at 15:35 #

    Ein weiterer Artikel zur Situation in Deutschland, die mit der Schweiz nicht ganz vergleichbar ist, aber dieser Satz wohl auch auf uns trotzdem zutreffen wird: „Denn Smartphones sind die neuen Digitalradios. Die Digitalisierung hat das Digitalradio gefressen. Der Rest ist UK“ –
    http://www.welt.de/kultur/medien/article154654843/Die-Digitalisierung-hat-das-Digitalradio-gefressen.html

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