Welches Problem haben Die Zeit und Stefan Willeke mit Maja Göpel?

Am 11. August erschien in der gedruckten Ausgabe der DIE ZEIT der Beitrag “Maja Göpel und der gute Geist”. Der Beitrag war der Redaktion offenbar so wichtig, dass er auf die Seite 3 gesetzt wurde.

Zeitungsseite von «DIE ZEIT» vom 11. August 2022, Seite 3. Aus urheberrechtlichen Gründen unlesbar gemacht. Der Beitrag ist online hinter einer Paywal verfübgar.

Der Journalist, Stefan Willeke, beginnt seine Geschichte mit der Behauptung, dass Frau Göpel seit zwei Jahren ein Problem mit sich herumtrüge. Dieses Problem sei der Satz «Und deshalb schreibe ich dieses Buch.» der in der Einleitung zu lesen ist. Der Grund, warum der Satz ein Problem sein soll, sei der Umstand, dass das Buch mithilfe eines sogenannten Ghostwriters geschrieben worden sei und dass diese Tatsache nicht transparent gemacht wurde. Mittlerweile ist bekannt, dass es sich beim Ghostwriter um einen Journalisten handelt, der selbst wollte, dass er nicht genannt wird und der für diese Rolle äusserst grosszügige 50 % von den Autor:innen-Tantiemen erhält.

Diese, für die Bewertung des Inhaltes des Buches und der langjährigen Arbeit von Frau Göpel völlig irrelevante Information, wird auf einer ganzen Zeitungsseite zu einem Skandal hochstilisiert.

Dem Satz folgt im Buch übrigens eine wichtige Ergänzung. Die vollständige Stelle liest sich so:

«Und deshalb schreibe ich dieses Buch. Es ist kein Kompendium nuancierter Details, Fakten, Zahlen und Unterschiede zwischen einzelnen Modellen und Prognosen. Es ist der Versuch, die großen Linien des heute zu spürenden Zeitenwandels in möglichst zugänglicher Form darzulegen und ein paar Ideen und Sichtweisen anzubieten, die zwischen den scheinbar unauflöslichen Positionen der Bewahrerinnen und Blockiererinnen vermitteln – damit wir Orientierung in den Suchprozess nach einer gemeinsamen nachhaltigen Zukunft bringen können.»

Göpel, Maja. Unsere Welt neu denken: Eine Einladung (S.18).

Es geht darum, uns zu inspirieren und uns dazu zu motivieren aus den alten Denkmustern auszubrechen. Sowohl Inhalt als auch Anspruch dieses Buches und des zitierten Absatzes sind komplett kongruent mit den anderen Publikationen und öffentlichen Auftritten der Autorin.

Willeke behauptet, nachdem er die halbe Seite mit Nichtigkeiten verschwendet und uns Lesenden die Zeit gestohlen hat, dass die rund 270’000 Käufer:innen des Buches sich getäuscht fühlen könnten. Frau Göpel könne gar nicht so elegant schreiben. Er gibt zwar zu, dass die thematischen Schwerpunkte von Maja Göpel definiert wurden, aber er will wissen, dass es nicht die inhaltlichen Aspekte den Erfolg des Buches ausgemacht haben, sondern die «anschaulich Darstellung».

Woher weiss Willeke, dass die Käufer:innen dieses Buches es der «anschaulichen Darstellung» wegen und nicht wegen des Inhaltes gekauft haben? Welches Menschenbild offenbart sich hier? Wer kauft Bücher, insbesondere Sachbücher, nicht wegen des Inhaltes? Klar muss ein Text angenehm zu lesen sein und genau deswegen werden sehr viele Sachbuch-Texte, bevor sie zwischen zwei Buchdeckel publiziert werden, in vielen Fällen massiv überarbeitet und kein Hahn kräht danach. Warum auch. Es handelt sich bei einem Buch, welches im Ullstein Verlag publiziert wird, wohl kaum um eine Doktorarbeit, die man «eigenständig» formuliert haben muss. Die meisten Autobiografien von bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten z.B. werden von Ghostwritern geschrieben. Wo ist das Problem?

Der beste Beweis für den grossen Wunsch des Autors, hier aus einem Nichts einen Skandal zu produzieren, zeigt sich dann an der Stelle, in welcher er versucht, den Umstand, dass ein ungenannter Ghostwriter mitgearbeitet hat, in die Nähe des Plagiarismus zu bringen. Die Verbindung sieht er im Verlag, der gewarnt hätte sein sollen, weil:

«Zu den Autorinnen des Verlages zählt auch die Aussenministerin Annalena Baerbock, deren Buch viele Plagiate enthielt und mithilfe eines Jour­nalisten zustande kam, der allerdings erwähnt
wurde.»

Maja Göpel und der gute Geist, DIE ZEIT, 11. August 2022, S.3

Die Plagiatsvorwürfe an Frau Baerbock und der ungenannte Ghostwriter von Frau Göpel haben nichts miteinander zu tun, ausser dass Bücher der beiden Frauen im selben Verlag erschienen sind. Ein unschöner Versuch, uns Leser:innen Sand in die Augen zu streuen und eine Verbindung zu suggerieren, wo es keine gibt.

Ich frage mich, was genau der Grund ist, der Stefan Willeke und Redaktion der DIE ZEIT dazu bringt, zu versuchen, Frau Göpel zu diskreditieren? Wäre es nur das Sommerloch, wäre es beschämend für eine sogenannte Qualitätszeitung derartiges zu publizieren, gibt es andere Gründe, wäre es angebracht, diese zu nennen.

Ein ergänzender Lesetipp zum Thema: Maja Göpel und der böse Geist von Wolf Lotter in der taz

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