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Die automatische Datenverarbeitung in der Bundesverwaltung (1969) und was Francis Underwood damit zu tun hat.

Im April 1969 hat die Zentralstelle für Organisationsfragen in der Bundesverwaltung (ZOB), einer Art Beratungsstab für Rationalisierung, einen Bericht mit dem Titel: «Die automatische Datenverarbeitung in der Bundesverwaltung – Erfahrungsbericht und Standortbestimmung» publiziert (PDF).

Offenbar war das Grundlagenwissen über die Einsatzmöglichkeiten und -grenzen der damaligen Informatik noch relativ dünn gesät und die ZOB fühlte sich veranlasst, oder wurde damit beauftragt, hier etwas Aufklärungsarbeit zu leisten. So wurde der Zweck des Papiers im ersten Kapitel wie folgt umschrieben:

«Er will in möglichst knapper Form über die automatische Datenverarbeitung (ADV) in der Bundesverwaltung orientieren. Er soll die aus der Verwaltung, den eidgenössischen Räten und weiteren Kreisen immer wieder gestellten Fragen aus dem Bereiche der ADV beantworten, wie z. B.

  • Was ist ADV?
  • Welche Einsparungen lassen sich damit erzielen?
  • Welches sind die Vor- und Nachteile?
  • Welches sind die Voraussetzungen für die Einführung der ADV? usw.»

Interessant, dass die ZOB sich noch nicht dem bereits damals geläufigen Begriff der EDV bedient hat, sondern diesen im Einführungskapitel „Was verstehen wir unter ADV“ als weniger weitgehenden Unterbegriff deklariert, obwohl sich das ganze Papier eigentlich mit dem, was man wohl damals wie später unter EDV verstand, beschäftigt hat. Es werden alle Elemente eines Computersystems bzw. eben einer ADV-Anlage beschrieben, inkl. einer 3-Seitigen Kurzeinführung zum «Wesen des Programmierens» im Anhang.

Im Bericht wird auch ein wenig über die «ungeheure Propaganda der Computer-Fabrikanten» gefrotzelt, welche nur auf die Vorteile und nicht auf die Nachteile der ADV hinweisen würden, um dann aber ein paar Seiten weiter zum versöhnlichen Schluss zu kommen, dass es sich dabei ja eigentlich nicht um Nachteile, sondern bloss um Eigenheiten handle:

«Die aufgeführten Nachteile des ADV-Systems müssen sich in der Praxis nicht unbedingt als solche auswirken. Man könnte auch sagen, dass es sich um „Eigenheiten“ der ADV handelt, die einfach hinzunehmen sind.»

Es wird weiterhin gezeigt, welche Art von Aufgaben sich für die ADV eignen und es wird auf den grossen Fachkräftemangel, der als gewichtiger Bremsfaktor aufgeführt wird, hingewiesen.

Wir werden schliesslich noch darüber informiert, über welche Informatik-Ressourcen der Bund zu dieser Zeit verfügte. Im Bericht in einer Übersicht und in einem Anhang sehr detailliert mit den genauen Angaben zu Marken und Systembezeichnungen. In dieser Liste finden wir einen Hinweis auf zwei Anlagen vom Typ IBM 1401, eines der ersten erschwinglichen Rechnersysteme von IBM, welches 1959 vorgestellt und 1971 wieder vom Markt genommen wurde. Und der Chefarchitekt dieses IBM 1401 Systems hiess Francis O. Underwood, auch Fran Underwood genannt, der allerdings nicht mit Francis J. Underwood, bzw. Frank Underwood aus der Netflix Serie «House of Cards» zu verwechseln ist.

Ein interessantes Dokument zur Informatik- und Verwaltungsgeschichte aus der Anthologie „Geschichte der modernen Verwaltung„, welche im Rahmen des infoclio.ch Projektes „Living Books about History“ publiziert wurde.

(Quelle des Bildes: Ausschnitt aus «Die automatische Datenverarbeitung in der Bundesverwaltung, Erfahrungsbericht und Standortbestimmung, Bern 1969 Schweizerisches Bundesarchiv, Signatur: E6502#1987/100#45*. Online: Living Books About History, <http://www.livingbooksabouthistory.ch/uploads/media/section/0001/01/84a9ec7def5f718053bcc6182965bbbcefa6553e.pdf>, Stand: 10.02.2015.»)

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