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Archive | Philosophie

John Stuart Mill über Liberalismus und das Wohl des Anderen“

„Es hieße, diese Lehre vollkommen mißverstehen, wenn man vermutete, sie lehre selbstsüchtige Gleichgültigkeit und sie behaupte, daß die Menschen im Leben nichts miteinander zu tun hätten und daß sie sich um das Wohlverhalten und Wohlsein anderer nur soweit zu kümmern hätten, als ihre eignen Interessen dabei im Spiel sind. Wir brauchen wahrlich nicht eine Verminderung, sondern eine erhebliche Vermehrung des uneigennützigen Interesses für das Wohl anderer.“

Ich bin gerade dabei eine E-Book Version mit Deutscher Übersetzung und Englischer Original Version dieses Werkes produzieren. Und für die, die den Text nicht kennen. Es handelt sich hierbei nicht um ein sozialistisches Pamphlet, sondern um eines der wichtigsten Werke des klassischen Liberalismus. Das Zitat stammt aus dem Essay „On Liberty / Über die Freiheit“ von John Stuart Mill.

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Unethical Decision Making in Organizations der Uni Lausanne auf coursera.org

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Letzte Woche hat der Kurs „Unethical Decision Making in Organizations“ auf der MOOC-Plattform coursera.org begonnen. Der Kurs dauert 7 Wochen und wird von Guido Palazzo und Ulrich Hoffrage von der Universität Lausanne angeboten.

Inhaltlich geht es darum zu lernen, wie soziale Rahmenbedingungen und Strukturen, Menschen zu Entscheidungen (ver-)führen können, die sie in anderen Kontexten als unmoralisch deklarieren würden. Oder anders gesagt, geht es darum zu erkennen, dass nicht jede Entscheidung, welche nicht unseren ethischen Ansprüchen entspricht, alleine der „Boshaftigkeit“ des Menschen der diese getroffen hat, zugeschrieben werden sollte, sondern, dass der soziale Kontext einen grossen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten in bestimmten Situationen haben kann. Was wiederum bedeutet, dass wir durch das Design von Organisationen beeinflussen können, welchen moralischen Werten wir mehr Gewicht geben wollen.

Der Kurs dauert 7 Wochen und kann mit einem sogenannten Signature Track Zertifikat abgeschlossen werden, welches von Coursera.org und der Partner-Universität für diesen Kurs ausgestellt wird. Es sind über 10’000 Teilnehmende aus 175 Ländern registriert.

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Die Sperrung von Christoph Mörgelis Facebook Account ist wahrscheinlich keine gute Nachricht

Update – 2.9.2015, 16:08: Soeben sehe bei der Tageswoche einen Beitrag von Thom Nagy der ähnliche Fragen aufwirft. Wir sind offenbar gleichzeit am Schreiben gewesen. Am Ende seines Artikels gibt es noch weitere Links dazu und das Essay zum Thema Hass in der Zeit, auf welches er verweist kann ich auch empfehlen.

Update – 2.9.2015, 11:12: Der Facebook-Account von Christoph Mörgeli ist wieder online. Danke Martin für Deine Meldung im Kommentar.

facebook-mörgeli-20150920

Wir wissen zwar noch nicht warum wirklich, aber offenbar gehen alle davon aus, dass Christoph Mörgelis Account wegen seinem unsäglichen „Die Fachkräfte kommen“ Post gesperrt wurde. Im Gegensatz zu den meisten Zeitungswebsites, die sich über diesen Post aufregen und ihn trotzdem bei jeder Gelegenheit publizieren, verzichte ich hier darauf, dieses aus meiner Sicht absolut unlustige und dumme Bild auch noch weiter zu verbreiten. Die Story findest Du unter anderem hier in der Zürichseezeitung oder auch bei Watson.

Einer der Nutzer der Mörgelis Post beanstandet hat äussert sich in der Zürichseezeitung so:

«Christoph Mörgelis selbstgefällige, menschenverachtende Äusserungen waren mir schon immer ein Dorn im Auge.»

Sollte es wirklich so sein, dass Mörgelis Account von Facebook gesperrt wurde, weil sich genügend User bei Facebook beschwert haben, ist es völlig Fehl am Platz, sich darüber zu freuen. Man kann mit den politischen Inhalten der SVP und ihrer politischen Mandatsträger aus vielen Gründen nicht einverstanden sein. Es ist auch völlig legitim, Aussagen von Politikern mit aller Vehemenz inhaltlich zu kritisieren. Aber einfach jemandem das Maul verbieten zu wollen, weil einem bestimmte Äusserungen ein Dorn im Auge sind, entspricht genauso einer selbstherrlichen Haltung, wie diejenige die hier kritisiert wird.

Wohin soll das führen, wenn wir zulassen, dass der eine dem anderen verbieten will, sich zu äussern, weil er die Welt anders sieht? Erkennt Ihr denn nicht, dass wir uns in einer völlig fehlgeleiteten Abwärtsspirale in Richtung Totalitarismus und Gewalt befinden? Ich spreche hier nicht davon, dass unter dem Deckmantel der Meinungsäusserungsfreiheit alles erlaubt sein soll. Deswegen gibt es auch bei uns Einschränkungsmöglichkeiten und das ist gut so. Ich bin auch der Meinung, dass wir alles unternehmen müssen um die Hassreden aller Art im Digitalen Raum einzudämmen. Ich bin gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Rassismus, gehen Homophobie, ganz einfach gegen alle Haltungen die den Menschen nicht grundsätzlich als gleichwertiges, würdiges Gegenüber betrachten. Doch es kann einfach nicht sein, dass anstelle des Rechtsstaates, ein aufgebrachter Mob und private Firmen entscheiden, was gesagt werden darf und was nicht.

Eine solche Lösung führt dazu, dass es völlig von der zufällig entstandenen wirtschaftlichen Machtkonstellation und des Zustandes des Zeitgeistes abhängt, ob man zum Schweigen verurteilt wird oder nicht. Heute ist die Mehrheit noch auf der Seite der Flüchtlinge, doch was machen wir, wenn sich das mal ändert? Alle, die jetzt lachen und sich darüber freuen, dass Christoph Mörgelis Facebook Account gesperrt wurde, frage ich: Hättet Ihr auch gelacht, wenn es vor 30 Jahren (wenn es da Facebook schon gegeben hätte), derjenige von Andreas Gross und anderen GSOA-Aktivisten gewesen wäre, als sie für die Abschaffung der Armee kämpften und den damals rechts-bürgerlichen Mainstream gegen sich aufgebracht haben. Machtverhältnisse ändern sich, deswegen müssen wir dafür sorgen, dass die grundlegenden Menschenrechte nicht in Frage gestellt werden.

Ich weiss, ihr sagt, Mörgeli sei ein Aufwiegler, ein Rassist und dergleichen. Auf diese Diskussion will ich mich hier aber gar nicht einlassen, denn viele Rechte behaupten auch dass Anarchisten grundsätzlich Terroristen sind und mit ihren Ansichten die Stabilität des Landes gefährden. Wenn wir mit Äusserungen eines Menschen nicht einverstanden sind, dann müssen wir diese Äusserung bekämpfen und nicht den Menschen. Das Fachkräfte-Bild kann man auf vielen Ebenen kritisieren und auch ich finde es total daneben. Doch dass ein solches Bild schon ausreicht, dass einem der Account gesperrt wird, ist definitiv keine gute Entwicklung. Wir haben genug gute Argumente um fremdenfeindlichen Haltungen und Aussagen zu begegnen. Wenn wir eine Welt ohne „Hatespeech“ wollen, aber trotzdem eine Welt in der auch aus den Ecken und Rändern der Gesellschaft Ideen und Meinungen kommen dürfen, dann müssen wir kontinuierlichen erklären und argumentieren. Das ist mühsam und aufwendig, aber nachhaltiger als die politischen Gegner Kraft der populistischen Macht ins Abseits zu drängen.

Sicher, Facebook ist ein privates Unternehmen und nicht dazu verpflichtet, alles auf ihrer Plattform zuzulassen. Und jeder von uns, egal wo er politisch steht, tut gut daran, sich nicht alleine auf solche Plattformen zu verlassen, denn diese entscheiden am Ende, was publiziert wird und was nicht. Ich kritisiere nicht in erster Linie Facebook für ihren Entscheid; der Applaus den das Netzwerk dafür erntet macht mir Sorgen.

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Die Joseph A. Labadie Collection

Joseph (Jo) Labadie war ein amerikanischer Anarchist. Die Bibliothek der Universität Michigan ist Hüterin der Joseph A. Labadie Collection, eines Archives, welches die Geschichte von politischen Protestgruppen, insbesondere Anarchisten und ArbeiterInnenbewegungen dokumentiert. Ein Teil der Sammlung ist auch digital verfügbar. Eine interessante Fundgrube.

Update, 27.7.2015, 17:17

Hier gibt es ein Video-Interview mit Julie Herrada, der aktuellen Kuratorin der Sammlung auf Youtube: C-SPAN Cities Tour – Ann Arbor: Joseph A Labadie Collection

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Veranstaltungshinweis: Recht auf Vergessen? – Philosophisches Seminar Universität Luzern

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Ich kann da leider nicht hingehen, aber das verspricht eine interessante Veranstaltung zu werden. Dienstag 9. Dezember 17:15h bis 19:00h, Hörsaal 4.B54 Universität Luzern

Dr. ChriIm Mai 2014 wurde am Europäischen Gerichtshof ein Urteil gefällt, welches von der Kommission für Datenschutz der EU und auch in den Medien stets als ‚Recht auf Vergessen’ bzw. ‚Right to be Forgotten’ bezeichnet wird. In meinem Vortrag frage ich einerseits nach dem Verständnis von ‚Vergessen’, welches in diesem Kontext Verwendung findet und diskutiere andererseits den Entscheid des EuGH und einzelne Fragen, die sich daraus in Bezug auf den Umgang mit persönlichen Daten im Netz ergeben.

Zur Person Christine Abbt ist Lehrbeauftragte an den Universitäten Zürich, Luzern und Klagenfurt. Sie arbeitet zu Theorien des Gedächtnisses, zur politischen Theorie und Demokratietheorie. Ab Frühjahr 2015 wird sie eine SNF-Förderprofessur in Philosophie an der Universität Luzern antreten.

(via philosophie.ch)

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