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Schweizer Mobilfunkmarkt – Wie weiter?

Die Meinungen, ob der Weko Entsched zur Sunrise/Orange Fusion für die Schweizer Mobiltelefoniebenützer vorteilhaft ist, oder nicht, gehen auseinander.

Die einen gehen davon aus, dass der Wettbewerb durch möglichst viele Teilnehmer gewährleistet ist, und die anderen sind der Meinung, es wäre besser 2 starke Wettbewerber zu haben, die sich dann auf der selben Augenhöhe dem Kampf um Kunden und Einträge aussetzen.

Im Bericht „Der Schweizer Fernmeldemarkt im Internationalen Vergleich“ des Bakom (hier erhältlich), kann man nachlesen, dass wir in der Schweiz im Vergleich zu EU zwar viele Wettbewerber, aber gleichzeitig die höchsten Preise in allen verglichenen Kategorien haben.

Offenbar ist eine höhere Anzahl der Wettbewerbsteilnehmer noch kein Garant für tiefere Preise.  Allerdings dürfen wir ehrlicherweise nicht von 5 Marktteilnehmern sondern nur von 3 sprechen. Tele2 bietet keine Mobilfunkleistungen mehr an und In2Phone hat einen vernachlässigbar kleinen Marktanteil. Bleiben also Swisscom, Orange und Sunrise.

Interessant ist, dass die Swisscom im Vergleich mit den historischen Staatsmonopolisten in anderen EU-Ländern gemäss dem erwähnten Bakom Bericht einen sehr hohen Marktanteil hat halten können. Die Swisscom liegt da mit einem Marktanteil von 61.9% (2008) an zweiter Stelle, während der EU Durchschnitt bei 38.3% liegt (2008).

Woran liegt es nun, dass die anderen Mitbewerber es bislang nicht geschafft haben,  der Swisscom ähnlich Marktanteile abzujagen, wie das in anderen EU-Ländern scheinbar erreicht wurde?

Wenn ich mich frage, warum ich in all den Jahren immer von Swisscom die Mobileservices bezogen habe und nicht von den günstigeren Mitbewerbern, dann ist meine Antwort heute noch die gleiche wie zu Beginn des Wettbewerbzeitalters in der Mobiltelefonie:

1. Abdeckung, Abdeckung, Abdeckung
2. Kundendienst

Zum ersten Punkt, der Abdeckung: Ich habe damals nicht gleich zu Beginn aber doch ziemlich früh mal ein Sunrise Abo gelöst und habe vielleicht 2 Tage damit telefoniert um dann das Abo inkl. Telefon enttäuscht jemanden weiterzugeben, dessen Bewegungsradius nicht grösser war als 5 Km vom Zentrum in Zürich. Für mich war die Netzabdeckung einfach unbrauchbar. Klar wird sich das inzwischen geändert haben und ich denke, dass man mit Orange und Sunrise mittlerweile fast überall telefonieren kann. Doch beim mobilen Internetzugang zeichnet sich wieder dasselbe Bild ab.

Betrachten wir die 3 Abdeckungskarten von Swisscom, Sunrise und Orange im UMTS Bereich so sehen wir, dass einzig die Swisscom über ein Netz verfügt, welches mir mehr oder weniger überall in der Schweiz Internet Zugang ermöglicht. Aus diesem Grund kommen für mich die Wettbewerber gar nicht in Frage.

Swisscom Abdeckung HSPA 25.4.2010

Sunrise UMTS Abdeckung im Freien 25.4.2010

Orange HSPA Abdeckung 25.4.2010

Zum zweiten Punkt des Kundendienstes: Ich habe zwar nie mit dem Sunrise oder dem Orange Kundendienst ein persönliches Erlebnis gehabt, aber doch schon einige Gechichten gehört. Haarsträubendes habe ich früher öfter mit CableCom im Bereich Festnetz Internet erlebt (seit 12 Monaten nicht mehr, „Holz anfassen“). Im Gegensatz dazu waren alle meine Erlebnisse mit dem Swisscom Servicedesk jedesmal angenehm und der Kundendienst einfach hervorragend und ich habe logischerweise als jahrelanger Kunde schon hin wieder mal was zu klären gehabt. Bei Swisscom hat man früh den Wert eines guten Kundenservices erkannt, was für einen ehemaligen Monopolisten schon eine grosse Leistung ist.

Zusammenfassend würde ich behaupten, dass der Grund für die fehlenden Wettbewerbseffekte trotz dreier Marktteilnehmer und der hohe Marktanteil von Swisscom darauf zurückzuführen ist, dass die beiden anderen zuwenig investiert haben. Sie haben zuwenig in das Netz investiert und sie haben zuwenig in den Kundenservice investiert. Es ist nachvollziehbar, dass man mit möglichst wenig Einsatz möglichst viel hat gewinnen wollen. Ist ja klar, dass man einen gewissen Marktanteil bei einer neuen Marktöffnung mit einem minimalen Grundangebot fast automatisch holen wird.

Interessant wäre es natürlich nun die Investitionstätigkeiten der verschiedenen Anbieter im Europäischen Vergleich zu sehen um meine Behauptung zu untermauern oder zu falsifizieren. Diese Zahlen wird es sicher irgendwo geben, vielleicht findet sowas ja mal jemand und meldet mir die Links. 

Natürlich stellte sich dann auch die Anschlussfrage, warum es sich offenbar aus Sicht von Sunrise und Orange nicht lohnte mehr in den Schweizer Mobilfunktmarkt zu investieren, gesetzt den Fall, meine Behauptung stimmte.

Auf jeden Fall stellt sich die Situation in der Schweiz heute so dar, dass die Preise zu hoch sind. Das ist für zwar nicht gerade tragisch aber auch nicht wirklich sinnvoll.

Offenbar ist die ursprüngliche Strategie der Politik, einen Wettbewerb der Netze zu schaffen gescheitert. Die beiden Mitbewerber haben es nicht geschafft ein gleichwertiges Netz wie die Swisscom aufzubauen, wenn man ihren eigenen Abdeckungskarten vertraut. 

Wir sollten uns vielleicht einfach damit abfinden, dass es auf der Infrastrukturebene schwierig, wenn nicht unmöglich ist, wirklich für Wettbewerb zu sorgen, und darum die Netze, sowohl die mobilen wie eventuell auch die fixen unter staatlichem Regime zusammenzuführen und zu betreiben. Ich weiss, dass ist eine bittere Pille, auch für mich, aber es bringt nichts, einfach weiter zu machen wie bisher. 

Dazu müsste allerdings, am besten in der Verfassung, festgehalten werden, dass die Aufgabe darin besteht, im Internationalen Vergleich immer an der Spitze zu stehen und die Ziel und Messwerte müssen durch demokratische Prozesse definiert und verändert werden können.

Gleichzeitig sollten die Zugangshürden zum Netz so tief gehalten werden, dass im Prinzip für Hinz & Kunz möglich wird, Mobilfunkdienstleistungen auf Basis des öffentlichen Netzes anzubieten. Das würde zu Wettbewerb der Vielen auf der Serviceebene führen, und die Preise würden wahrscheinlich sinken.

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3 Responses to Schweizer Mobilfunkmarkt – Wie weiter?

  1. ugugu 28. April 2010 at 9:37 #

    Genau das hab ich mich auch schon gefragt: Warum drei Parallelnetze, wenn es eines auch tun wrde. Bei den Stromnetzen funktioniert es auch. Vielleicht wird das Thema aber auch erst politisch brisant und relevant, wenn sich wissenschaftlich klarer herausstellt, dass Elektrosmog vielleicht doch nicht so harmlos ist.

  2. bugsierer 29. April 2010 at 6:00 #

    meine rede. ich habe die gleichen erfahrungen gemacht in sachen abdeckung und service.

    die idee, die netze zu verstaatlichen, begrsse ich. das sollte mit jeder art von infrastrukturellen netzen so sein (strom, wasser, strassen, etc.).

  3. Hans 5. Mai 2010 at 14:24 #

    Die Swisscom hat im Mobilfunk auf 10 Jahre Vorsprung und konnte das Netz auf Staatskosten aufbauen. Orange und Sunrise machen erst seit kurzem Gewinn und konnten daher nicht mehr investieren.

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