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Kommentar zur neuen Musikschaffenden.ch Kampagne gegen Schweizer Unternehmen welche vermeintlich Piraterie unterstützen

Die Musikschaffenden Schweiz haben wieder eine Kampagne gestartet. Unter dem Titel „Schweizer Unternehmen sponsoren die Internet Piraterie“ wurde heute eine Pressmitteilung verschickt, die mit Screenshots von Websites ergänzt ist, auf welchen Banner-Einblendungen von Schweizer Unternehmen zu sehen sind. Die Screenshots sollen uns suggerieren, dass man auf diesen Webseiten mit einem Klick Songs, auch von Schweizer Musikschaffenden, kostenlos downloaden kann. Songs, für die man sonst etwas bezahlen müsste. Schlimmer noch, es gibt die bösen Piraten und Google, die durch die Werbung, die auf diesen Seiten geschaltet werden, mit dem Schaffen unserer Schweizer Künstler Geld verdienen.

Die Botschaft die vermittelt werden soll ist, dass es ja schon eine Schweinerei ist, wenn die Künstler durch Piraten und Google enteignet werden, aber noch viel Schlimmer ist es, wenn dies mit Unterstützung von Schweizer Unternehmen geschieht. Wo gibt’s denn sowas? Der Staat muss endlich eingreifen.

Ein genauerere Blick auf die Screenshots zeigt aber vor allem eines. Die Musikschaffenden haben keine Ahnung vom Netz, und darum finden Sie auch keinen Weg mit dem Netz Geld zu verdienen. Sie haben ja auch keine Vorschläge, die sinnvoll umzusetzen wären, sondern wünschen sich einfach den Polizeistaat der dafür sorgt, dass das alles endlich Ende nimmt.

Der Brief an die Medien beginnt damit, dass sie den Mythos einer heilen Hippie-Mentalität vom selbstlosen Geben und Nehmen in der digitalen Welt entlarven wollen. Nun, da gibt es nichts zu entlarven. Spätestens seit dem Facebook Börsengang weiss auch die letzte Grossmutter in Hinterpfupfigen, dass es im Internet auch um Geld geht. Es geht sogar um viel Geld und unzählige Unternehmen, Selbstständige und auch sehr viele Künstler sind in Goldgräberstimmung oder zumindest davon überzeugt, dass sie eine interessante Chance vor sich sehen, um auf andere Weise als bisher, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Nur die Medieninstrie, die, die die letzten 50 Jahre gut davon leben konnten uns Bücher, Filme und Musik zu verkaufen, die wollen diese Chancen nicht sehen, sondern wollen, dass die Welt so bleibt wie sie ist.

Es ist müsig hier zum hundersten Mal erklären zu müssen, dass die vernetzte Informatikwelt sowohl die Produktions- als auch die Distributionsprozesse der Popmusik Branche radikal umstellt. Es ist einfach nicht mehr 1980! Ihr müsst Euch umstellen, genauso wie es die Pferdekutscher und Furhahlter mussten, als der Verker vor hundert Jahren neu organisiert wurde.

Nun aber noch kurz zu den gezeigten Screenshots:

Es handelt sich dabei ausnahmslos um sogenannte Metasuchmaschienen. Das sind Websites die auf Links von anderen Seiten hinweisen. Wer schon mal eine solche Seite besucht weiss, dass die meisten Links völlig nutzlos sind und uns entweder ins Nirwana schicken, oder uns eine Software installieren lassen wollen (was ich auf keine Fall empfehlen würde, auch nicht um das auzuprobieren) oder eine Registration mit Kreditkarten haben wollen. Die Screens machen ja auf den ersten Blick den Eindruck, dass man nach einem Klick auf „Download“ dann wirklich die Songs downloaden könnte. Das kann in einigen Fällen auch klappen, meistens funktioniert es nicht oder ist zu mühsam. Hier ist die grosse Chance für die Musikschaffenden. Schaut, dass wir die Songs einfacher bekommen, als auf diesen Seiten und ihr seit im Geschäft.

Denn wenn es so ist, dass die ja ach so viel Geld verdienen, warum macht Ihr es denn nicht auch so? Ihr habt ja hier die Blaupause für das scheinbar funktionierende Geschäftsmodell.

Interessant ist auch, was einem so auffällt, wenn man die Screenshots genauer anschaut. Ich mache mal zwei Beispiele:

1) Favez auf Loudtronix.me (Hier ist der Link zum selber ausprobieren).

Loudtronix.me ist eine Website die vor allem YouTube und Soundcloud Files bereitstellt. Auf dem Screenshot ist eine Liste von Songs zu sehen, die allesamt auf YouTube auch zu finden sind. Der erste Song auf der Liste ist von der Band „Favez“ selber dort hochgeladen worden. Es handelt sich um ein Promovideo für einen Song aus dem Jahre 2006. Da der Ansprechpartner der Musikschaffenden Schweiz in dieser Sache, auch der Sänger dieser Band ist, können wir davon ausgehen, dass es sich hier nicht um ein Versehen handelt.

Nun kann man natürlich der Meinung sein, dass die YouTube Vidoes nicht dazu gedacht sind, dass man daraus MP3’s macht. Aber wenn der Song dort zu hören ist, dann kann ich ihn im Prinzip immer auch aufzeichnen. Wenn die Band von YouTube profitieren will, muss sie damit rechnen und sonst soll sie keine Videos dort hoch laden. Kommt dazu, dass wohl kaum sehr viele nach diesen Songs suchen, wenn wir die Anzahl Videoaufrufe auf dem besagten YouTube Channel in Betracht ziehen. 90’000 in 61 Monaten ist nicht gerade viel. 

 2) Bligg auf MP3Raid (Hier auch der Link zum selber ausprobieren)

MP3 Raid ist eine Metasuchmaschine. Sie stellt einfach dar, was sie im Netz zu finden vorgibt. Meistens sind das allerdings, wie oben erwähnt, tote Links, oder dann Links zu Seiten auf welchen entweder eine Software installiert werden, oder man sich mit Kreditkarte registrieren muss. Hier ist interessant, dass der erste Titel in der Liste scheinbar auf einem Sever von Radio Energy gefunden wurde. Ich nehme nicht an, dass Radio Energy ihre Files einfach so auf einem offenen Server herumliegen lässt, darum funktioniert der Link, wie ich es mir gedacht habe, auch nicht. Auch der zweite führt ins Nichts. Nur der dritte bringt mir ein 2 Minuten dauerndes Intro. Also kaum das, was man sich unter einer erfolgreichen Ausbeute vorstellen würde. 

Klar, kann man jetzt hingehen und sagen, dass diese Seiten dadurch Geld verdienen indem Sie den Leuten weiss machen, dass sie hier auf kostenlose Songs stossen, die man sonst so nicht bekommen würde. Und hin und wieder geschieht das wohl auch. Und man kann auch sagen, dass ein solches Geschäftsmodell welches vor allem auf der unbedarftheit der User basiert, ein unethisches Modell ist. Dieser Meinung bin ich auch.

Aber es ist einfach verwegen zu behauten, dass die Schweizer Musikschaffenden durch diese Angebote auch nur einen Franken weniger einnehmen. Es ist schade, dass sich die Künstler so einfach vor den Karren der internationalen Medienindustrie spannen lassen. Sie wären besser bedient, wenn sie endlich einsehen würden, dass das Netz Ihnen die Möglichkeit gibt, sich endlich aus den Klauen dieser Unternehmen, die in keiner Art und Weise an ihrer Kunst sondern nur an ihrem „Schaffen“ interessiert sind, zu befreien.

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