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Bald keine neuen redaktionellen Websites mehr?

Ausschnitt Tages Anzeiger vom 23.11.2010 (S.45)Diese SDA Meldung, heute zufälligerweise im Tagi gefunden, hat meine Aufmerksamkeit beansprucht. Es seien kaum noch Neueintritte in den Markt für redaktionelle Online Medien möglich, heisst da am Schluss.

Das ist natürlich starker Tobak, und es verwundert nicht, dass eine solche Pressemitteilung, die einzig der Ankurbelung des Verkaufs einer teuren Marktstudie dient, von den sogenannten Qualitätsmedien verbreitet wird.

Bei dieser Mediareports Prognos “Studie” handelt es sich um einen typischen Business Report, der teuer verkauft wird und nicht etwa um eine wissenschaftliche Arbeit, deren Aussagen und Annahmen von einer kritischen Öffentlichkeit überprüft werden könnten.

Da ich natürlich nicht bereit bin, mehr als 4000 CHF auszugeben um zu verstehen, was an den Aussagen dran ist, belasse ich es damit, zu behaupten, dass da sehr wahrscheinlich Bullshit drin steht. Vordigitale Massenmedien-Denke unter nicht Berücksichtigung des “Long Tails” lautet meine vorläufige Ferndiagnose.

 

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2 Responses to Bald keine neuen redaktionellen Websites mehr?

  1. Matthias Walti 24. November 2010 at 10:27 #

    Ich erlaube mir da ein paar Anmerkungen, weil ich selber recht lange in der Medienbranche ttig war. Die Bezeichnung Bullshit ist recht hart gewhlt ich gehe jedoch mit Dir einig, dass 4000 Franken eine Menge Kohle sind fr Erkenntnisse, auf die man bei nchterner Betrachtung fast von selbst kommt.

    Die Sache mit den "kaum noch mglichen Neueintritten" stimmt wohl so. Nur war das eben in der Medienbranche die letzten Jahrzehnte nie anders auch damals, als sich erst ein paar Freaks im Web tummelten. Eine der wenigen erfolgreichen Lancierungen in der Schweizer Medienbranche war die Sonntagszeitung, vor ber 20 Jahren. Und die schrieb zuerst einmal zehn Jahre rote Zahlen. Das ist die normale Realitt in jedem gesttigten Markt: Neueintritte sind immer mglich, aber es braucht sehr, sehr viel finanzielle Power. Wers aber schafft, wird zuweilen reich belohnt (die SZ war im zweiten Jahrzehnt eine Goldgrube fr die Tamedia).

    Gruner + Jahr in Deutschland lanciert brigens jedes Jahr fnf neue Printtitel mit der Begrndung, es brauche mindestens fnf Neulancierungen damit EINE davon langfristig berleben kann. Michael Ringier meinte mal, das Verrckte an der Medienbranche sei, dass sich Produkte niemals in einer F&E-Abteilung entwickeln lassen, sondern immer erst am Markt entwickelt werden, unter gestrenger Aufsicht der ffentlichkeit und unter sffisanter Begleitung der Mitberwerber.

    Was mir aber am Kurztext zur Studie zustzlich auffllt (und in der TA-Meldung geflissentlich nicht erwhnt wird), ist das Bekenntnis zur Qualitt aber auch das ist nichts wirklich neues. Auch hier lernt die Medienbranche eine recht einfache und brutale Regel, welche andere Branchen lngst kennen: Qualitt ist streng betriebswirtschaftlich gesehen Unsinn, weil von der Mehrheit der Kufer gar nicht gefordert oder honoriert. Qualitt hat nur in Nischen Platz, wird da aber auch bezahlt. Auch hier gehts eigentlich nur um die Anpassung an normale Marktmechanismen, denen jeder Restaurantbesitzer ebenfalls unterworfen ist. Als Qualittsliebhaber mag man es bedauern, aber es ist die Realitt.

    So bleibt der Kampf um die bezahlte Nische. Nur wollen eben alle dahin, und die Grsse des Kuchens ist begrenzt, ein Ende des Wachstums wohl tatchlich absehbar. Das und nicht viel mehr drfte dann wohl die Erkenntnis der Studie sein. Durchaus interessante Neulancierungen wie Journal21 drfen einfach nicht Gegenstand seriser Analysen sein! Journal21 ist ein Hobbyprojekt von mehrheitlich pensionierten (und guten) Journalisten. Aber die Sache hat mit einem durchgerechneten Businessmodell wohl wenig zu tun. Das muss man sich einfach bewusst sein, wenn man ber Onlinemodelle diskutiert.

    Bezogen auf *funktionierende* Geschftsmodelle im Journalismus steht die Branche weiterhin vor schwierigen Zeiten. Das drfte wohl die Aussage der Studie sein, die man fr in der Tat unverschmte 4000 Franken verkaufen mchte.

  2. Andreas Von Gunten 8. Dezember 2010 at 21:12 #

    Danke fr Deine Worte Matthias. Ich wollte Dir hier eigentlich schon lange mit einem separaten neuen Artikel zum Thema "Bullshit" antworten, habe es aber noch nicht geschafft. Darum hier schon mal einen Hinweis darauf. Ich halte es mit dem Begriff wie Harry G. Frankfurt, der in "On Bullshit" schn erklrt hat, was Bullshit ist. Wenn Du mal dazu kommst, ist sehr empfehlenswert, kurz und knackig und schnell gelesen. (Leider nicht online 🙂

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