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Tumult im TV – Telebühne vom 2. Juli 1980

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Die Sendung «Telebühne» war eine Vorläuferin der SRF Diskussionssendung «Arena». Sie wurde, wie auch deren Vorgängersendung «Telearena», vom Theaterregisseur und ehemaligen Leiter der Abteilung Dramatik des Schweizer Fernsehens Max Peter Amman konzipiert und von 1980 bis 1982 fünfmal pro Jahr, jeweils am Mittwochabend, ausgestrahlt. Die Sendung wollte eine Synthese von Dramatik und Publizistik schaffen und zwar indem jeweils zu einem aktuellen Thema zuerst ein klassisches Theaterstück gezeigt wurde, welches dann als Aufhänger oder Impulsgeber für die anschliessende Diskussion mit einem grossen, breit zusammengewürfelten Publikum dienen sollte. Das Konzept war während der ganzen Laufzeit der Sendung in Fachkreisen stark umstritten. Die Auseinandersetzung  drehte sich dabei vor allem um die Frage, inwiefern das gezeigte Theaterstück derart in den Dienst der Aktualität gestellt werden darf, und damit die Diskussion in der Regel weg von der Auseinandersetzung mit dem Werk führte.

Die dritte Ausgabe vom 2. Juli 1980 mit dem Stück «Antigone» und dem Thema «Widerstand gegen die Staatsgewalt»  führt dann zu einem Eklat erster Güte und zum ersten Abbruch einer Livesendung in der Geschichte des Schweizer Fernsehens. Der thematische Schwerpunkt der Sendung bekam durch die Opernhaus-Krawalle eine besondere Bedeutung und die eingeladenen Gäste, wie das damalige Feindbild der Bewegten, Erziehungsdirektor Alfred Gilgen und der sogenannte ‚Subersivenjäger‘ Ernst Cincera luden geradezu ein, die Sendung zu kapern, was dann auch geschah. Es ist aus heutiger Sicht äusserst amüsant zu sehen, wie dem Moderator der Diskussion, dem späteren Radiodirektor Andreas Blum, die Kontrolle ziemlich schnell entgleitet, auch wenn es natürlich keine Frage ist, dass die totale Kommunikationsverweigerung nicht gerade zur Problemlösung beigetragen hat. Und offenbar wurde die Situation von der Polizei damals als ziemlich brisant eingestuft. So erzählt Alfred Gilden später in einem Interview, dass der Polizeichef von Oerlikon ihn mit den Worten «Hier kommen Sie nicht mehr lebendig raus» aus der Sendung geholt hat. Aus der Perspektive der damaligen Zeit ist die Aktion der Bewegung verständlich und sie hat uns auf jeden Fall ein schönes Stück Mediengeschichte geliefert.

Es wäre natürlich grossartig, wenn das Team vom @SRFArchiv die ganze Sendung publizieren würde, aber scheinbar geht das aus urheberrechtlichen Gründen nicht, was wieder einmal zeigt, wie unser Urheberrecht es verhindert, dass Dokumente der Zeitgeschichte, die notabene von der Öffentlichkeit finanziert wurden, allgemein verfügbar gemacht werden können. Nun denn, erfreuen wir uns an diesem kurzen Beitrag über die Telebühne vom 2. Juli 1980 und hoffen weiterhin, dass wenigstens der Diskussionsteil bald einmal vollständig zur Verfügung steht.

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2 Responses to Tumult im TV – Telebühne vom 2. Juli 1980

  1. Ronnie Grob 3. März 2016 at 13:30 #

    Hochinteressant, natürlich sollte SRF die ganze Sendung online stellen. Wie werden denn die urheberrechtlichen Probleme begründet? Das Urheberrecht einer in den SRF-Studios aufgezeichneten SRF-Sendung sollte doch zu 100 Prozent bei SRF liegen.

    • Andreas Von Gunten 3. März 2016 at 14:50 #

      Da hast Du völlig recht, sehe ich auch so. Ich kann mir vorstellen, dass es Rechte an der Theateraufführung gibt, die sie so nicht haben, aber der Diskussionsteil, sollte m.E. nach kein Problem sein. Ich habe die Antwort, dass es aus urheberrechtlichen Gründen nicht ginge via Twitter erhalten, https://twitter.com/srfarchiv/status/705329535252828160. Sehe gerade beim zweiten mal hinschauen, dass sie nicht geschrieben haben aus urheberrechtlichen, sondern aus rechtlichen Gründen. Es kann natürlich sein, dass es andere rechtliche Gründe und nicht urheberrechtliche sind, die das nicht möglich machen, aber warte nun mal ab, ob es da Widerspruch gibt. Auf jeden Fall würde ich es sehr begrüssen, wenn nicht nur diese, sondern alle jemals aufgezeichneten Diskussionssendungen online verfügbar sind, und zwar so, dass man sie einbetten und sharen kann.

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