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Dann wollen wir dem Kleinen mal eine Lektion erteilen

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Eigentlich wollte ich heute Ronnie Grobs Beitrag über seine Eindrücke aus dem Parlament kritisieren. Ich hätte geschrieben, dass mir seine frische, freche Art ein Thema anzupacken gefällt und dass es für die Berichterstattung über die Politik und die politischen Akteure in der Schweiz eine Bereicherung ist, wenn ein unverbrauchter und unabhängiger Journalist wie er ein solches Projekt realisiert. Aber, so hätte ich weiter geschrieben, sein Beitrag „Die Debatte im Nationalrat ist Tot„, wirft zwar eine wichtige Frage auf, der er aber, aus meiner Sicht, in keiner Art und Weise gerecht wurde. Die Grundaussage seine Artikels wird im PS erkennbar: Parlamentarier verdienen zu viel und arbeiten zu wenig. Das macht er an einer Situationsbeschreibung fest, in welcher zwei Parlamentarierinnen während der Session eine private Konversation führen und dass eine davon DVD’s auf ihrem Tisch liegen habe. Wie kleinlich, lieber Ronnie, hätte ich geschrieben. Jeder, der sich ein wenig mit Schweizer Politik beschäftigt, weiss wie das Parlament funktioniert. Nur für völlig aussenstehende ist die Art und Weise wie sich der Parlamentsbetrieb darstellt ein solches Rätsel. Du bist kein aussenstehender. Staatskritik ist wichtig und richtig. Wir brauchen viel mehr davon, auch von Links. Aber Dein Beitrag ist nicht staatskritisch, er zielt nicht auf die politischen Inhalte, sondern auf die Menschen. Dass sich Frau Galladé angegriffen gefühlt hat, ist verständlich, Du hast sie ja auch attackiert. Das kannst Du besser. Ich wünsche mir Kritik an der Politik nicht an den Politikern. So in etwa, hätte ich geschrieben.

Doch dann kam die Reaktion der Parlamentsdienste. Ronnie Grob, der von uns finanzierte Journalist wurde kurzerhand aus dem Bundeshaus geschmissen. Das ist Machtdemonstration pur. Es mag zwar sein, dass er mit seinem Foto aus der Medientribüne gegen ein Reglement verstossen hat, aber es ist einfach völlig daneben, deswegen von einer „groben Verletzung“ dieser Regeln zu sprechen und es ist absolut unverhältnismässig zur Massregelung gleich die Akkreditierung zu entziehen. Menschen an der Macht müssen sich in einer Demokratie kritisieren lassen, das gehört zu ihrem Job. Sich wegen einer solchen Nichtigkeit derart aufzuregen und dann mit dem Holzhammer zuzuschlagen, einfach weil man kann, zeugt von wenig Souveränität. Dann wollen wir dem Kleinen mal eine Lektion erteilen, ist die Botschaft, die diese Handlung aussendet. Eine, der Demokratie unwürdige Botschaft.

Es wäre jetzt wichtig, dass sich die anderen Journalisten mit Ronnie Grob solidarisieren und die Parlamentsdienste davon überzeugen, dass sie hier überreagiert haben. Auch Chantal Galladé könnte wohl etwas dazu beitragen, dass diese Massnahme zurückgenommen wird.

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3 Responses to Dann wollen wir dem Kleinen mal eine Lektion erteilen

  1. pstaehler 10. September 2015 at 9:56 #

    Andreas, hast du schon bei deinen SPler lobbyiert? Oder willst Du, dass es so weiter vor sich her brodelt bis alle mitbekommen haben, was das für ein Stuss ist?

  2. Intel-lektueller 11. September 2015 at 0:34 #

    Ich finde Ronnies Blogpost prima und die kindische Reaktion von Galladé äusserst entlarvend. Doppelmoral par excellence! Mehr dazu in meinem Kommentar beim Artikel von Ronnie.

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  1. Reaktionen auf den Entzug der Akkreditierung | Nach Bern! - 10. September 2015

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