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Nicht der Ad-Blocker ist das Problem, sondern der gemeine Werber und seine Verwalter.

© Levente Janos – Fotolia.comIch habe zwar einen „Keine Werbung“-Kleber am Briefkaste und ich schaue, wenn überhaupt, nur aufgezeichnet fern, damit ich die Werbespots überspringen kann, aber ich habe noch nie eine Ad-Blocker verwendet und habe das auch in Zukunft nicht vor.

Der Grund dafür ist aber nicht in einem neuen moralischen Imperativ zu finden, den uns einige Zeitungsverlage derzeit einzutrichtern versuchen. Es ist ganz einfach: Die Werbung im Netz stört mich in der Regel nicht und dort wo sie mich stört, gehe ich nicht mehr hin.

Werbung finde ich prinzipiell gut. Das Problem ist aber, dass viele Werbung entweder sehr schlecht ist und/oder sich mir aufdrängt, obwohl sie nichts mit meinen Bedürfnissen zu tun hat, und mich davon abhält die Inhalte zu nutzen, die ich will.

Prospekte die ungefragt in den Briefkasten flattern, Webespots die sich zwischen Sendungen drängen oder immer öfter im Netz vor den eigentlichen Inhalt, Online-Banner die sich ungefragt über den von mir gesuchten Text legen, usw. sind alles Werbeformen die den potentiellen Kunden nicht ernst nehmen. Sie respektieren den freien Willen ihres Kunden nicht und das ist eine denkbar schlechte Startposition für eine prosperierende Partnerschaft.

Werbung im Netz, die im Kontext der Inhalte die ich nutze platziert ist, und nicht derart penetrant daher kommt, dass sie meine eigentlich Absicht stört, kann durchaus nützlich sein.

Noch besser ist es, die Werbung zum eigentlichen gewollten Inhalt zu machen. Wenn TV-Spots auf Youtube, Twitter & Facebook geteilt werden, wenn Corporate-Blogpost weitergeleitet werden, wenn White Papers und eBooks, die ein Produkt oder eine Technologie erklären, kopiert werden, dann ist Werbung offenbar nützlich und dann hat sich auch ihre Berechtigung.

Das Problem ist, dass die meisten Menschen, die Werbebudgets verwalten, eben das sind, was sie tun. Sie sind Verwalter. Der potentielle Kunde (der Adressat der Werbung) interessiert sie nicht. Für sie gibt es da draussen keine Menschen, sondern nur Pakete à Tausend Kontakte. Darum bezeugen Sie diesen gegenüber auch keinen Respekt. Sie wünschten sich am liebsten eine Welt in der wir per Gesetzt gezwungen würden, pro Tag ein bestimmte Anzahl Minuten ihrer extrem schlechten Werbung über uns ergehen zu lassen. So könnten Sie noch simplere Excel-Sheets verwenden um Ihre Werbebugdets, bzw. ihre Tausenderkontaktpakete zu verwalten.

Zurück zum Ad-Blocker. Im Netz gibt es zum Glück genug Alternativen. Ich muss keine Websites aufsuchen deren Werbung mich nicht als mündigen Menschen respektiert. Seiten, die mir dauernd Interstitials und andere ach so „innovative“ Werbeformate vor die Nase stellen, nutze ich einfach nicht mehr.  Meistens haben diese Websites eh nur schlechten Content. Und wie gesagt, dem Ad-Blocker traue ich nicht. Vor allem traue ich ihm nicht zu, die Werbung zu zeigen, die gerne gesehen hätte.

Der Aufruf einiger Verleger aber, dass wir quasi aus moralischen Gründen auf den Ad-Blocker verzichten sollten, zielt völlig daneben. Diese Verleger sollten sich besser überlegen, wie sie Werbeformate entwickeln die den Leser und die Leserin als mündige Menschen respektieren, die selber entscheiden wollen, wann sie welche Informationen beziehen. Was übrigens nicht heisst, dass damit kontextabhängige Werbung, solange sie nicht zu aufdringlich ist, keine Platz hätte. Von den Werbern selber ist da nicht viel zu erwarten. Die letzen Jahre haben gezeigt, dass die meisten Kreativen der Branche sich nach wie vor am liebsten ein grosses Budget für einen hübschen Spot geben lassen, statt sich zu überlegen wie sie das Netz als Medium nutzen könnten, und die, die die Etats verwalten…über die haben wir ja schon gesprochen.

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