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Mathias Döpfner und das Geschwätz von der „Gratiskultur“ im Internet

Für Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel Springer Verlags, und viele seiner Verlegerkollegen ist die sogenannte “Gratiskultur” im Internet der Grund warum wir dringend ein Leistungsschutzrecht brauchen. Doch bei hellerem Lichte betrachtet, ist das doch eher nur Geschwätz von Leuten, die entweder noch nicht in der vernetzten Welt angekommen sind, oder um jeden Preis ein Geschäftsmodell retten wollen, welches in der bisherigen Form keine Daseinsberechtigung mehr hat.

Mit dem Ettiket “Gratiskultur” wird behauptet, dass die Internet Nutzer partout der Meinung seien, die Welt sei kostenlos und das sie einfach alles haben können, ohne dafür bezahlen zu müssen. Es sei eine idealisierte, romantische, ja kommunistische Vorstellung die im Internet vorherrsche und die es nun endgültig auszumerzen gelte. Diese unwissenden und verständnislosen Menschen sind, wenn nötig mit legislativer Gewalt, auf den Boden der kommerziellen Realtiät zurück zu holen. Da und dort wird auch von Umerziehung gesprochen, die notwendig sei um die richtigte alte Ordnung wiederherzustellen.

Dieses Bild der “Gratiskultur” entbehrt allerdings jeder empirischen Grundlage. Haltlose Vorwürfe, die durch unzählige Wiederholung auch nicht wahrer werden.

Die Menschen waren schon immer bereit für Nutzen bzw. Mehrwert zu bezahlen, und sie sind es auch im digitalen Zeitalter noch.

Wie ist zum Beispiel der Erfolg von Amazon, Ebay und hundertausender andere E-Commerce Websites zu erklären, wenn die Internetnutzer einer “Gratiskultur” zuzuordnen wären?

Wie ist es möglich, dass es tausende von kostenpflichtigen Cloud Computing Produkten mit zum Teil Millionen von Benutzern gibt und deren Wachstumsraten fast jede andere Branche sprachlos machen, wenn im Internet eine “Gratiskultur” vorherrschte?

Wie konnte Apple 10 Milliarden Songs online verkaufen, wenn die Leute nicht bereit gewesen wären im Internet zu bezahlen?

Von einer “Gratiskultur” zu sprechen weil ein paar Teenager Filme, Spiele und Musik downloaden, die sie sowieso nicht hätten bezahlen können und deswegen auch nie gekauft hätten, ist absurd.

Weil die Menschen nicht bereit sind, sich durch komplexe Aktivierungs- und Registrationsprozesse durchzuarbeiten nur um ein paar Agenturmeldungen zu lesen, die sie sowieso den ganzen Tag an hundert verschiedenen Stellen beiläufig wahrnehmen, von “Gratiskultur” zu sprechen, ist eine Anmassung einer Branche die den Leser bis vor kurzem als Kunden gar nicht gekannt hat.

Dass die Kunden nicht bereit sind, sich bei jedem Computerwechsel bei ihren gekauften Songs, Filme oder E-Books zu überlegen, bei welchem Anbieter sie die einzelnen Titel gekauft haben um die Aktivierung auf dem neuem Gerät sicherzustellen, ist doch irgendwie nachvollziehbar. Hier von “Gratiskultur” zu sprechen, ist ein Verkennen der Realität.

Die Internet Nutzer verstehen zum grössten Teil sehr gut, wie Wirtschaft funktioniert. Sie brauchen keine Nachhilfestunden in Ökonomie. Sie wissen, dass es nichts kostenlos gibt auf dieser Welt, dass immer jemand bezahlt.

Zeitungen und Zeitschriften sind selten von den Lesern bezahlt worden, sondern zum grössten Teil von den Werbetreibenden. Mit den Verkaufs- und Abopreisen wurden wohl gerade mal knapp die Distributions- und Lesergewinnungskosten gedeckt.

Für den Leser kostenlose Inhalte gab es auch schon vor dem Internet zum Teil in Millionenauflagen, denken wir nur an das Migros Magazin und die Coop-Zeitung in der Schweiz.

Ich behaupte ja nicht, dass es ein Sonntagsspaziergang wäre, in der vernetzten digitalen Welt die arbeitsintensive Produktion von hochwertigen Inhalten zu monetarisieren. Doch einfach zu erklären, das Problem liege daran, dass die Leute nicht bezahlen wollen und dass die Nutzer der neuen Medien alles Piraten und Diebe seien, die den Verlagen die Butter vom Brot stehlen, ist eine kühne Frechheit.

Mir kommt es vor, als hätten gewisse Medienhäuser (nicht alle) bereits kapituliert vor der Herausforderung sich anzupassen, mit dem Wandel zu gehen und diesen für sich zu nutzen. Die letzte Möglichkeit besteht für diese Unternehmen offenbar nur noch darin, durch politischen Druck zu versuchen, das Rad zurück zu drehen und das offene Netz wieder zum Verschwinden zu bringen.

Nach dem Staat zu rufen, um sich durch Regulation die neuen Mitbewerber vom Halse zu halten, ist alles andere als liberal. Unternehmen die es nicht schaffen in einem freien Marktumfeld einen Nutzen zu schaffen und diesen in Geld zu verwandeln haben keine Daseinsberechtigung; das lernen Manager eigentlich im ersten Semester des BWL-Grundstudiums.  

Mathias Döpfner spricht im Zusammenhang mit dem “Leistungsschutzrecht” auch gerne und oft von Qualität und von der Notwendingkeit des Erhaltes seines Medienhauses für eine funktionierende Demokratie. Nun, ich denke die Demokratie in Deutschland könnte wohl eher auf eine Bild Zeitung verzichten als auf ein offenes Internet. Doch das ist ein anderes Thema, auf welches ich zu einem späteren Zeitpunkt zurück komme.

 

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53 Responses to Mathias Döpfner und das Geschwätz von der „Gratiskultur“ im Internet

  1. KickDown 16. September 2010 at 16:13 #

    Danke, denn das musste mal gesagt werden!

  2. camille 16. September 2010 at 16:50 #

    vielleicht htte Apple aber auch 20 Milliarden Titel verkaufen knnen…

  3. Malte 16. September 2010 at 16:57 #

    Ich glaube grundstzlich schon, dass das Internet zum Beispiel Raubkopierern (ob mit oder ohne Unrechtsbewusstsein) erst ermglicht hat, ihrem "Hobby" im groen Stil nachzugehen und ich bin auch fast sicher, dass es durch die digitale Verfgbarkeit mancher Produkte durchaus zu finanziellen Einbuen auf Seiten der Produzenten/Distributeure gekommen ist, ABER ansonsten stimme ich diesem Artikel aus vollem Herzen zu (was fr ein Satz).

    Es gibt gengend Beispiele fr funktionierende Business-Modelle im Web und das Gejammer der Alteingesessenen ist tatschlich nur Ausdruck ihrer vlligen Hilflosigkeit. Es ist ein absolutes Unding, dass es sich zunehmend einbrgert, in solchen Fllen nach dem Staat zu rufen und protektionistische Gesetze zu fordern.

  4. gESTALTUNGSmETZGER 16. September 2010 at 17:16 #

    Sehr schn auf den Punkt gebracht. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufgen!

  5. shagga 16. September 2010 at 17:28 #

    Der vorletzte Satz ist zucker

  6. bugsierer 16. September 2010 at 17:37 #

    meine rede. gut gedacht, gut gesagt. (ich bewundere immer wieder deine fhigkeit, solche dinge in freundliche worte zu fassen, dabei msste man lauthals "fdle" mgge).

    der unaufhaltsame ruf nach neuen gesetzen von dpfner und neininger und anderen zeigt vor allem eines: sie spren, dass ihr sehr lukratives geschftsmodell keine zukunft mehr hat. klar, dass das ein herber schlag ist, aber das war schon bei der einfhrung der dampfmaschine oder der eisenbahn so.

    dass sich dpfner ausgerechnet auf journalistische tugenden beruft, um die demokratie zu retten, ist doch etwas gar verwegen.

  7. ex-asv-internetfuzzi 16. September 2010 at 18:59 #

    von ende der 90er bis kurz nach dem platzen der blase hab ich einer asv-tochter gearbeitet. (und bin am ende in einer fr mich sehr angenehmen weise gegangen. es gibt also keine alten rechnungen zu begleichen.)
    ein verstndnis dafr, was "das internet" ist und kann – und was eben auch nicht – hat sich da in den leitenden positionen, sowohl bei jener tochter, wie erst recht im mutterhaus, niemals auch nur angedeutet.
    man sehe sich nur mal die wechselvolle geschichte von "go-on.de" an. ich will gar nicht wissen, wieviel geld dort verbrannt wurde, weil die jeweils berdimensionierten konzepte nicht bereits nach anderthalb jahren den break-even-punkt erreichten. bei jedem "echt-welt-projekt" ist klar, dass es in der regel zwei bis drei jahre dauert, bevor die anlaufphase berhaupt vorbei ist. aber "internet ist noch schneller als fax".

  8. Joe 16. September 2010 at 19:59 #

    Malte, extra fr Dich: Bravo 1977: Sind Leer-Cassetten der Tod der Schallplatte?

    "Raubkopieren" ging auch ohne Internet.

  9. Sven 16. September 2010 at 20:28 #

    es gibt uebrigens ein medienhaus, welches es seit jahren schafft, im internet mit content geld zu verdienen: die financial times. dafuer zahlen die nutzer auch gutes geld. es geht also.

  10. Daarin 17. September 2010 at 3:57 #

    Und jetzt kommt der Gag: Fr diesen Artikel haben inzwischen schon 50 Leute bezahlt.

  11. kadekmedien 17. September 2010 at 6:45 #

    Sehr schner Post zur Unsitte, Kunden als Diebe zu diffamieren und dem Staat Quer-Subventionen abzuverlangen, weil der Markt in Gestalt von Angebot und Nachfrage offenbar versagt bei diesem Geschftsmodell.

    Ein Aspekt schein mir jedoch immer etwas unterzugehen: Und zwar die Bereitwilligkeit der Online-Leser, interessante Inhalte weiterzuverbreiten. Gratis! Ob ein Zeitungsverleger jemals darber nachgedacht hat, dass er ein Anhnger der "Gratiskultur" ist? Welch unfltiges Schmarotzertum dahinter steckt, seine Distributoren des Diebstahls zu bezichtigen? Und welch niedertrchtige Doppelmoral, auf jedem Online-Artikel auch noch Share-Buttons anzubringen!

    Herzliche Gre aus Berlin.

  12. Emma 17. September 2010 at 7:01 #

    … und, Joe, hatten sie nicht Recht, damals? Du findest kaum noch Schallplatten!!! Wehret den Anfngen. 😉

  13. tin 17. September 2010 at 7:05 #

    Danke fr diese klaren Worte – aber weil sie "gratis" sind, werden sie vielleicht nicht gelesen – jedenfalls nicht von denen, die sie angehen wrden!

  14. NetzBlogR 17. September 2010 at 7:21 #

    Ich denke dennoch, dass es sehr wohl eine Gratiskultur gibt.

    Aber dies ist eine Krankheit, die man nicht denen vorwerfen sollte, die daran leiden: Firmen (gerade im Bereich Musik, Film und Software) bieten Produkte an, die ohne groen Umstand kopiert werden knnen. Wie sollen die sich denn bitteschn an irgend eine Zeit anpassen?

    Man hat versucht, dies ber Kopierschutzmechaniken zu bewerkstelligen und auch das wird ihnen vorgehalten: Die Gngelung der zahlenden Kunden. Doch wer hat diese Manahmen berhaupt erst ntig gemacht? Richtig: Es sind all diejenigen, die der Meinung sind, dass im Internet alles kostenlos zu haben ist.

    Da ist auch der Fakt, dass Apple 10 Milliarden Titel verkauft hat, nur ein Totschlagargument: Wenn man schaut, wie viele User dort gekauft haben, wie viele Internetnutzer es insgesamt gibt und wie viele Kopien tatschlich im Umlauf sind, wird das auch schnell klar.

    Ja, Musik-Raubkopien gab es auch damals schon – zum Beispiel per Kassette. Doch wie gro war der Radius, den die Kopie nahm? Richtig: Da hat man wirklich noch fr Bekannte und Freunde kopiert. Auf ein Original kamen vielleicht 10 bis 20 Kopien. Wie viele Kopien kommen denn heute auf ein Original? Ich mchte behaupten, es hat sich nicht nur vervielfacht sondern potenziert.

    Natrlich gibt es immer ein paar Idealisten, die gengend Unrechtsbewusstsein haben und ihre digitale Ware rechtmig erwerben. Doch die drfte immer mehr in die Minderheit rutschen, wenn man endlich mal aufhren wrde, immer nur die Anbieter als Sndenbcke hinzustellen.

    Man muss auch nur mal in deutschen Grafik-Foren umschauen, um sehr schnell zu erkennen, wie viele Ratsuchende ihr aktuelles Photoshop CS5 mit Sicherheit nicht gekauft haben. Und Adobe ist ein Groer, der die Zahl vielleicht noch verschmerzen kann. Kleineren Unternehmen wird durch sowas die gesamte Grundlage entzogen.

    Und da ntzt auch das beste, durchdachteste Bezahlmodell nichts: Selbst 1 Cent pro Titel/Programm/Film wre fr den Groteil der Erdbevlkerung immer noch ein Cent zu viel Geld, das sie ausgeben mssten.

  15. xub 17. September 2010 at 7:30 #

    Ein netter und guter Artikel.

    Ein Aspekt wurde meines Erachtens aber nicht angesprochen, der aber nichts desto weniger wichtig ist. Klar, zum einen muss man die Doppelmoral der eigenen Weiterverbreitung sehen, die @kadekmedien ansprach. Aber wie ist das eigentlich mit der Selbstverstndlichkeit der Redakteure, sich aus dem kostenlosen Internet zu bedienen? Heutzutage begehen viele Medienvertreter und insbesondere die Bild aus dem Hause Springer tagtglich Urherberrechtsverste. Es gibt unzhlige Beispiele, in denen die redaktionelle Leistung darin besteht, beispielsweise einen Wikipedia-Artikel zu krzen oder sogar wortgetreu zu kopieren aber nicht als solchen zu kennzeichnen.
    Diese Grauzone (die rein rechtlich keine ist, denn es ist ohne Quellenangabe schlichtweg verboten), die soll jedoch nach Willen der Verlage erhalten bleiben. Wie? Ein Kunzgriff: Wenn man sich selbst nicht als Verlag kennzeichnet, soll man um seine Rechte beschnitten werden und als kostenlose Melkkuh der Verlage dienen, die ber das Leistungsschutzrecht das professionelle Aufbereiten (=das Raubkopieren) von Content legalisieren wollen. Dass es irgendein rechtliches Problem damit gbe, Inhalte im Internet zu kommerzialisieren (so die Argumentation von Dpfner), das stimmt schlichtweg nicht. Der Artikel nennt sehr gute Beispiele.

    Ich denke das ist auch ein Hauptgrund, dass die Internetnutzer solche Dinge nicht annehmen. Es liegt nicht daran, dass Qualittsinhalte als kostenlos gefordert werden, sondern daran, dass viele schlichtweg die Qualitt als solche bezweifeln und lieber auf hhere Qualitt, die es bereits kostenlos gibt, zurckgreifen. Der Internet-Nutzer ist selbst bereits geschult, via Google und Co. die Informationen in hoher Qualitt zu recherchieren und das in wenigen Minuten. Damit hat 90% der Bild-Zeitung einfach keine Daseinsberechtigung mehr.

  16. MNB 17. September 2010 at 7:48 #

    Auch das Geschftsmodell "Zeitung" ist nicht zwangslufig dem Untergang geweiht und schon gar kein Gratismodell ohne Einnahmen: "Im Vorfeld der am Abend in der Hauptstadt stattfindenden Jubilums-Gala von Bertelsmann hat Bereichsvorstand Bernd Buchholz bei einer Prsentation im Berliner Tempodrom die Fokussierung von Gruner + Jahr aufs Zeitschriftengeschft betont. "Print lebt und ist hoch profitabel", sagte der 48-Jhrige."

    Quelle: http://meedia.de/nc/details-topstory/article/gj-chef-will-herz-des-journalismus-schtzen_100030362.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=23&cHash=527baa0cf4

    @camille: Man knnte auch versuchen, 10 Zeitungen zu abonnieren, 20 Schnitzel am Tag zu essen und 25h am Tag zu shoppen.

  17. Dada 17. September 2010 at 7:58 #

    Die Situation wird nicht dadurch besser dargestellt, dass das gleiche Geschwtz, das ein Herr Dpfner fr die eine Seite abliefert, quasi in gespiegelt, von der anderen Seite hier abgeliefert wird.

    Die Behauptung, die Gratiskultur entbehre jeder empirischen Grundlage, ist ja nett, aber wenn man schon empirische Grundlagen heranzieht, dann mge man sie doch bitte auch nennen und nicht mit der 08/15-Phrase von den "unzhligen Wiederholungen" garnieren. Die ewige Wiederholung dieser Phrase macht die damit verbundenen Behauptungen nmlich auch nicht stichhaltiger.

    Absurd ist es, von nur "ein paar Teenagern" zu reden, die Filme, Spiele und Musik kopieren tten, wohl wissend, dass so ziemlich jeder nach 1960 Geborene schon mindestens ein Dutzend Musiktitel von Freunden kopiert haben drfte. Dass ein Groteil der Kopien als Original wegen des Preis-Leistungsverhltnisses niemals ber den Ladentisch gegangen wre, ist sicher richtig, macht die Verharmlosung aber nicht besser (wohlgemerkt: es wurde Geschwtz vorgeworfen).

    Was haben eBay und Amazon mit Raubkopien zu tun? eBay ist kein Schallplattenmarkt und somit von der Kopierei nur marginal betroffen. Amazons Erfolg beruht auf Bchern, auch eine Sache, die kaum im Fokus der Kopierei steht. berhaupt ist es gewagt, E-Commerce, den Handel mit Waren, pauschal heranzuziehen: Nur, weil beispielsweise Spielzeughndler gute Geschfte machen, muss das noch lange nicht fr alle Hndler gelten, von Bettwsche ber Tpfe bis hin zu CDs. Die Art, wie du hier die Natur der Waren ignorierst und alles ber einen Kamm scherst, hier phyisch Greifbares, da immaterielle Werte, ist schon geradezu lcherlich. Oder wann hast du das letzte Mal ein Handtuch auf Knopfdruck kopiert?

    Wachstumsraten sind auch immer schn schne Augenwischerei: "Vorgestern erffnet, gestern haben wir zehn Titel verkauft, heute schon zwanzig! Wachstumrate 100%, das soll uns der alteingessene Laden an der Strae erstmal nachmachen!"

    Dass "Zeitungen selten von den Lesern bezahlt worden" seien, "sondern zum grten Teil von den Werbetreibenden", und gleich hintendran die Kostenlosbltter als Beweis einzuschieben, ist auch eine interessante Sichtweise. Unter Zeitung verstehe ich jedenfalls etwas anderes als eben jene Anzeigenschleudern, die, was den journalistischen Inhalt angeht, nur zum Fischeinwickeln taugen. Zeitungen werden auch durch Werbung finanziert, ja, aber nicht zum "grten Teil". Das sollte eigentlich jedem schon in dem Moment klar sein, wenn er mal Textwsten wie die FAZ oder die Zeit mit einem vor Werbung nur so strotzenden Kostenlosblatt vergleicht.

    Man mag zu dem Geschwtz eines Herrn Dpfner stehen, wie man will, aber wenn man ihn attackiert (grundstzlich zu recht, wie ich anmerken mchte), sollte tunlichst nicht auf dem selben Niveau agieren. Die heie Luft, die du hier grtenteils abgelassen hast, lcherliche Pauschalbehauptungen und Argumente, bei denen ich mich frage, wo du lebst, drfte Dpfner jedenfalls nur besttigen.

  18. Manfred Fiebig 17. September 2010 at 8:02 #

    Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit nach dem Erwerb meines ersten PC erinnern. Das Internet existierte zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Trotzdem brachte mein Sohn regelmig von seinen Freunden auf dem Schulhof Programme und Spiele auf Floppys mit nach hause, von denen ich genau wusste, das er sie htte nie von seinem Taschengeld bezahlen knnen. Vattern musste aber auch mit Regelmigkeit das System neu aufsetzen, da die Disks alle mit einem Virus infiziert waren.

    Es ging also auch ohne Internet.

  19. xub 17. September 2010 at 8:21 #

    @dada: Eines zur Vollstndigkeit halber. Amazon basiert seit vielen Jahren mitnichten auf Bchern. Es ist nur noch ein kleiner Zweig der Warenpalette. Wobei das jedoch eher zweitrangig ist, da Amazon durchaus zum Groteil auf realen Gtern basiert (auch beispielsweise Waschmaschinen).
    Dennoch ist ein Kernpunkt bei Amazon der Verkauf von Waren, die auch digitalisiert als Raubkopien "erstanden" werden knnten und trotzdem haben diese Geschftsbereiche umfassenden Erfolg, nach wie vor. Nachzulesen in den Geschftsberichten. Diese zu zitieren spare ich mir hier. Auch Bcher knnten in der heutigen Zeit durchaus digitalisiert und als Raupkopie Verbreitung finden.

    Gerade hinsichtlich eBay muss man einfach sagen: Es gab hunderte Versuche, kostenlose Auktionsplattformen zu etablieren. Sie sind alle gescheitert. eBay ist nicht kostenlos. Auch wenn es fr den Kufer so aussieht. eBay ist sogar in meinen Augen relativ teuer. Dennoch ist es der Quasi-Standard. Das sind Beispiele, in denen die Vorwrfe an die schmarotzende Internetkultur, wie Dpfner es darstellt, nicht stimmig sind. Ich behaupte sogar, dass mittlerweile der Groteil der Hndler bei eBay fr ihre Waren mehr Gewinn einfahren als ber den Ladenverkauf, da hier die Nutzergemeinde den Bezug zum Realwert der Ware verliert. Dpfner greift die Netzkultur als solche an und pauschalisiert jeden Internetnutzer als Mensch, der niemals bereit sei, etwas zu bezahlen. Er greift die Blogger-Kultur an, den semiprofessionellen Bereich, der ihm das Geschft kaputt mache usw. Deswegen muss man ihn auch mit Beispielen wie Amazon, eBay und Apple-Stores messen.

    Ein weiteres Beispiel ist der stetig steigende Umsatz von beispielsweise Napster. Auch ein Beispiel, dass die von Dpfner verbreitete Behauptung, ein Internetnutzer sei grundstzlich unwillig, irgendetwas bezahlen zu wollen, so nicht passt.

    In einem Punkt gebe ich Ihnen aber Recht: Man sollte nie den Fehler machen, darber zu streiten, ob nun ein Groteil der Nutzer Raubkopierer sind oder ehrlich zahlende Kunden, ob der Groteil der Raubkopierer jugendlich sind oder lter. Das lsst sich auch fr Statistiker bereits schwer greifen und solange das nicht belegbar ist, kann jeder in diesem Punkt behaupten, die Weisheit mit Lffeln gegessen zu haben.

  20. Sherwood 17. September 2010 at 8:39 #

    Es ist erstaunlich, dass viele Menschen fr diesen Text gezahlt haben, der nichts weiter ist als eine Aneinanderreihung von Pauschalweisheiten. Die Argumentationslinie ist die eines kleinen Jungen. "Ich habe recht, weil ich recht habe. Das Internet ist toll, weil es toll ist". Herr Dpfner und der Axel Springer Verlag sind ein Thema fr sich, es geht doch allgemein um die Rolle der Medien, Medienschaffenden und Knstler in unserer Gesellschaft. Wirklich lesenswert ist daher der Kommentar des Autors "Dada", der sich mit den ungelsten Fragen und Aufgaben beschftigt, die sich heute stellen.

  21. Frank 17. September 2010 at 8:48 #

    Super Artikel! So umfassend als Widerlegung und gleichzeitig pointiert war der Artikel in einer der letzten Ausgaben der c't zum Thema nicht.

  22. kommunist 17. September 2010 at 8:50 #

    also ich nutze das internet schon vornehmlich so, dass ich mir gebrauchsgter aneignen kann ohne dafr zu bezahlen.
    musik, filme, sms versenden, skype telefonie statt telekom, texte ausdrucken statt die bcher zu kaufen etc.pp.
    der artikel scheint eher fr ein bezahl-web zu propagandieren, auf eine anbiederische apologetische art.
    "seht her, es ist doch gar nichts umsonst, wir zahlen doch brav, sogar fr MP3s!"

    ja, das ist ja auch selten dmlich. geld ist nmlich kein ausdruck eines objektiven wertes.
    geld ist ausdruck eines gesellschaftlichen verhltnisses.
    ein mercedes hat keinen objektiven wert.
    er bekommt erst einen, wenn er zur ware wird.
    zur ware wird er, wenn er dem konsum von allen entzogen wird, auch denen, die ihn gebaut haben.

    durch die digitale vervielfltigung, die knstliche verknappung verunmglicht, gibt es eine sphre im internet, die sich nicht oder nur fr dumme vermarkten lsst. es gibt ja tatschlich noch leute die dafr bezahlen, weil sie es fr "gerecht halten".
    in wahrheit wird ihnen verkauft, was man ihnen vorher gestohlen hat: den gesellschaftlichen reichtum.

    daher bin ich ber jeden funken kommunismus und aneignung im internet heilfroh.

  23. Jeeves 17. September 2010 at 9:22 #

    Die Untertreibung des Jahres: "…ein paar Teenager Filme, Spiele und Musik downloaden, die sie sowieso nicht htten bezahlen knnen und deswegen auch nie gekauft htten".
    "Ein paar", ts, ts…

  24. Martina 17. September 2010 at 9:27 #

    Warum regt sich eigentlich niemand ber die schamlose Gratiskultur des Fernsehens auf? Die TV-Zuschauer erdreisten sich doch tatschlich, nur fr den Zugang zur Technologie zu zahlen (GEZ; Kabelanschluss, Fernsehgert) und darber hinaus keine einzelnen Inhalte zu bezahlen! Un-fucking-believable!!

    Und erst die ffentlichen Wege und Straen! Nicht auszudenken, dass sich die Brger erdreisten, die zu benutzen, ohne fr jede Strae einzeln zu bezahlen! Schamlose Gratiskultur!!

    Da mssen wir sofort Pay-per-view einfhren! Ach was, das versucht man bereits (Pay-TV, Straenmaut)? Und es funktioniert schlecht bzw. nur dort, wo Monopole etabliert werden? Aha! Wie war das noch mit der Kritik an Monopolen und dem Wunsch, Informationen mglichst frei allen Menschen zukommen zu lassen, damit sie selbstbestimmt nachdenken und sich eine eigene Meinung bilden knnen?

    Der Vorteil an Fernsehen und Internet ist, dass dies durch die kostengnstige Verbreitungsmglichkeit endlich mglich ist und die Finanzierung der Angebote auf anderem Wege effizient machbar ist. Diese Chance wurde seit Beginn von Rundfunk und Fernsehen genutzt und sollte auch weiterhin genutzt werden.

    Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Medien am erfolgreichsten sind, die nicht per einzelner Konsumierung bezahlt werden mssen, sondern per Flatrate / Steuern / etc.

    Und so sollte es auch auf andere Bereiche von Information und Kultur ausgebaut werden.

  25. Manuel 17. September 2010 at 9:28 #

    Gratiskultur…manchmal frage ich mich fr was die im internet nicht alles Geld haben wollen.
    Klar laden viele Menschen Filme und Musik runter (und ich denke mal nicht nur Teenager!) aber wem wunderts…
    Da werden MP3 Player mit 16GB Speicher an Jugendliche verkauft – wieviele Lieder passen da rauf bei ~ 5MB pro lied so 3200 Lieder und dann soll der sich die fr 0,99 bei Musikload und Co. Runterladen oder 9,95 fr ein Album mit 12-15 Liedern zahlen?!
    Das wird so nichts da mssen andere Ideen her – solange das nicht passiert werden die leute weiter downloaden!
    Und die Milchmdchenrechnungen der Verantwortlichen so viele Filme/Lieder wurden runtergeladen das ist ein Schaden von ??Mio.Euro – Na klar die Leute htten ja auch sonst jeden Film im Kino geschaut oder die DVD/CD gekauft.

    Wenn ein schaden entsteht dann den Tv Sendern im Internet gibts die filme ohne Werbung. Und die Filme die wirklich gut sind die will man einfach im kino sehen und/oder die Orginal DVD/Blueray besitzen und bei Musik ist es das selbe wenn ich etwas richtig gut find dann kaufe ich die CD oder nutze das gesparrte Geld und gehe zum Konzert! Und Lieder die man einfach nur mal ne weile relativ gut findet – da hat man frher vorm Radio gesessen und die auf Kassette gebannt und heue wandelt man halt das Youtube Video in ein MP3 Format um!

  26. Buffalo 17. September 2010 at 10:08 #

    War es nicht auch die ComputerBild die "damals" die Leute im groen Stil ber Tauschbrsen, ihre Rechte usw. informiert hat!? Jetzt merkt der Springerkonzern anscheinend, dass die Leute nicht nur im Internet sind um sich Pornos, Musik und Filme runterzuladen, sondern sich auch informieren. Auerdem ist es schon doof, wenn man in Gefahr ist seine Meinungshoheit zu verlieren. 😀

  27. Dave van Ronk 17. September 2010 at 10:11 #

    – Amazon, eBay & co. verkaufen also digitale "Produkte"?
    – iTunes war kein gigantisches Verlustgeschft? (Nicht fr Apple, sondern fr die Knstler und Labels, etc.)
    – Illegales Downloading und Brennen war nicht die Hauptursache dafr, dass der Musikmarkt zwischen 2002 und 2005 fast halbiert wurde?
    – Auflagenerlse sind nicht die grte Einnahmequelle der meisten Printprodukte?
    – Das Phnomen "Gratis-Kultur" ist also nur ein Phantom der gierigen Bosse?

    Da bin ja wirklich heilfroh, dass auch wenn 500 Leute hier Flattrn Sie mit diesem berwiegend faktenresistenten Getippte niemals auch nur Ihre Krankenversicherung davon bezahlen knnen…

  28. grz 17. September 2010 at 11:09 #

    Wenn Zeitungsverlage (und einige Kommentatoren hier) die Gratiskultur anprangern und dabei das Raubkopieren als Beweis nehmen, ist das unredlich. Ich habe noch nie davon gehrt, dass eine Zeitung raubkopiert wurde (z.B. eingescannt und dann illegal verffentlicht). Und wenn die Onlineauftritte sich nicht rechnen, dann mssen sie diese halt abwickeln. Das wurde 1990 17 Mio Menschen so erkrt. Das ist nmlich Marktwirtschaft.

  29. xub 17. September 2010 at 11:41 #

    Ich wundere mich gerade, wie der Artikel dafr hergenommen wird, ber Tauschbrsen und den Musikmarkt zu philosophieren. Das Problem ist im Fall Dpfner nur bedingt vergleichbar. Was ist daran liberal, die Entscheidung eines Knstlers, Geld mit seinem Werk zu verdienen, unter dem Deckmantel des Kulturgutes, mit Fen zu treten? Liberal ist es, wenn sowohl der Markt der freien Musik als auch der Markt der kommerziellen, gleichberechtigt nebeneinander existieren. Wenn im Markt der freien Musik keine Schranken existieren und im Markt der kommerziellen Musik jeder dieser Schranke unterworfen wird. Dann entscheidet der Knstler, welchen Markt er bedient. Und der Konsument entscheidet, ob er Knstler der freien Musik untersttzt oder kommerzielle Musik kauft. Raubkopierer argumentieren gerne mit Liberalitt und allgemeinen kulturellen Ansprchen. Das ist in meinen Augen der grte Unfug der modernen Zeit, denn sie ignoriert die Freiheit eines Knstlers, fr sich zu entscheiden, ob er etwas frei zur Verfgung stellt oder nicht.

    Aber: Wer von uns kann denn so singen wie Robbie Williams? Wer von uns kann qualitativ mit dem kommerziellen Musikmarkt mithalten? Das ist der feine Unterschied zu Dpfners Argumentation. Wenn sich Dpfner dem Markt unterwerfen wrde, wenn die Bild-Homepage fortan ausschlielich kostenpflichtig im Abo zu erreichen wre, was wrde passieren? Wieviele wrden fr die Inhalte der Bild-Zeitung online bezahlen?
    Aber die viel spannendere Frage: Wieviele wrden die Inhalte raubkopieren? Ich wage zu behaupten: Hchstens eine handvoll Menschen auf der Welt. Das ist der Unterschied: Die Masse der qualitativ gleichwertigen oder gar hherwertigen Artikel zu einem Thema kommt vollkommen ohne die Bild-Zeitung und die Verlage aus. Vielleicht nicht ohne Fachzeitschriften oder hochwertigere Zeitungen, aber doch ohne die Bild. Und statt den Markt das regeln zu lassen, versucht Dpfner die Existenz der Bild dadurch zu rechtfertigen, dass er ein Angebot schaffen will, was er kostenlos in die Welt hinausposaunen will und dennoch ber Umwege Geld einbringen soll.

    Die Musikindustrie hat einen lustigen Kniff: Sie spannt aufstrebende Knstler, sie spannt die potentiellen Konkurrenten ber Casting-Shows u.. vor den eigenen Karren. Das ist ein Geschft auf Gegenseitigkeit: Die Knstler haben schnellen Ruhm, das schnelle Geld, davon trumt jeder. Die Musikindustrie blockiert den Markt fr kostenloses Kulturgut und verdient mit.

    Die Verlage haben diese Entwicklung verschlafen. Es gibt kein Redakteurscasting. Es gibt keine prominenten Blogger, die sie vor ihren Karren spannen. Es gibt keine Portale, in denen sie Semi-professionellen Content einbinden. Die Verlage betrachten ihre Konkurrenten als Feinde, die Musikindustrie betrachten ihre Konkurrenten hingegen als potentielle Mitarbeiter… Stefan Raab bzw. die Unternehmen um ihn herum betrachten die Interpreten von "Schland'O'Schland" nicht als etwas, das es zu bekmpfen gilt. Sie spannen sie durch Vertrge ein: "Du dfarfst das und wir machen dich bekannt, wenn du fr uns arbeitest und wir mitverdienen."

    Das alles sollte man meiner Meinung nach mal bedenken wenn man ber den Vergleich Verlage/Musikindustrie philosophiert.

  30. noname 17. September 2010 at 11:50 #

    Ich denke, die Problematik, die viele Befrworter eines Leistungsschutzrechts oft bersehen liegt auch im Produkt der Verlage. Ein ausgiebiger Hintergrundartikel fr den lange und ausgiebig recherchiert werden musste verdient ohne Zweifel eine angemessene Vergtung, denn der Author nimmt mir, dem Leser viel Arbeit ab bzw. ermglicht mir Einblickein ein Thema, die ich sonst so nicht bekommen htte. Die gewhnlichen Nachrichten sollten allerdings eben fr absolut jeden vollkommen frei verfgbar sein. Am besten auch nicht kontrolliert durch filternde Verlage etc. Dafr eignet sich das Internet hervorragend.

    Weiterhin lehne ich auch ab fr "Leistungen" wie den ganzen boulevardesken Dreck, abgeschriebene dpa-Meldungen, umgearbeitete Wikipedia Beitrge, geklaute Videos / Bilder von anderen Webseiten etc. zu bezahlen. Ich denke, das wrde Herr Dpfner selbst auch nicht tun…

    Dazu kommt noch eine zunehmend tendenzise Berichterstattung, die lngst nicht mehr je nach Zeitungsprodukt einer bestimmten Maxime folgt oder einer politischen Einstellung, sondern sich stumpf nach genau den Themen und Meinungen richtet, die im Augenblick die maximale Auflage / Verbreitung garantieren.

  31. engeltr 17. September 2010 at 15:53 #

    Generell hat Dada ja schon alles gesagt, da muss ich nur noch ein paar Anmerkungen schreiben ^^

    Denn eines fehlt meiner Meinung nach vllig. So wird iTunes als Beispiel genannt, aber nicht geschaut, was die Zielgruppe davon ist. Ein Appleuser ist (bzw. war bis vor ein paar Jahren, in dieser Zeit liegt der Aufstieg von iTunes) eher lter und nicht so technikaffin und verdient genug Geld, bei der Anmeldung zum Appleaccount hat er schon seine Kreditkartennummer (o..) angegeben, er hat also einen bequemen Weg, seine Sachen zu bezahlen. Dann kam die iPod/Phone/Pad-Bndelung mit iTunes und Kufer von diese Sachen sind eher nicht die "normalen" mnnlichen Jugendlichen. Daher kann Apple so viel umsetzten – es ist da, ist gnstig und man muss nichts einstellen, nichts Kompliziertes also. Genau dasselbe Argument kann man auch auf eBay bertragen, auch hier ist die Zielgruppe nicht zu den "digital Natives" zu zhlen.

    Und die Nennung von Cloud-Computing verbietet sich von selbst: Ein Rechenzentrum kann man nicht so leicht klonen…

    Zum Abschluss mchte ich noch auf eines hinweisen:
    In Russland wurde ein Spiel von EA (ich glaube es war Assassins Creed 2) deutlich(!) besser verkauft als der Vorgnger und andere Spiele, weil erst Monate spter ein Crack herauskam. Woher man das wei? Die Differenz war so unglaublich hoch, dass es keine andere Erklrung gibt, denn von anderen "Topspielen" wurde nicht so viel verkauft.
    Auch gab es mal eine iPhone-App, die bermittelte, wie viele Spieler das Spiel ganz durchgespielt hatten und dann den Highscore eintrug. 80% der Leute, die einen Highscore eintrugen, hatten das Spiel nicht gekauft (und sie hatten es also auch nicht nur getestet). [Die Artikel dazu finden sich -unter anderem- bei Heise Online.]

    @xub:
    Bcher knnen digitalisiert werden, ja. Aber bis zu den E-Book-Readern gab es keine Mglichkeit, diese wirklich angenehm zu lesen.

  32. Seth 17. September 2010 at 17:07 #

    hmm berflugesellschaft….berflige teile der gesellschaft…

  33. Kommentator 17. September 2010 at 17:34 #

    @NetzBlogR: Der verdreht aber einer massiv die Geschichte. Die Musikindustrie hat ein komplettes Jahrzehnt im Netz verschlafen. Eine Zeit in der sie NICHTS anzubieten hatte im Netz. Eine Zeit, in der die Produktions- und Distributionskosten auf ein Bruchteil der ursprnglichen Kosten gesunken sind, in der aber noch davon getrumt wurde, die Preise fr ein Album auf 30/Stck anzuheben. Eine Zeit, in der ich meine erste Soundkarte fr 80 gekauft habe, die mir erlaubte Musik in einer Qualitt digital aufzuzeichnen, wie es nur wenige Jahre zuvor mit mehrere 10.000 teurem Studioequipement mglich gewesen wre. All die 10 Jahre wurde argumentiert, da wre kein Markt, die Raubkopierer wren bse und Gesetze extra dafr angepasst wurde. Und erst nach diesen 10 Jahren kam Apple und zeigte mittels Itunes binnen einen Jahres, dass das alles Bull-Shit war und die Majorplayer einfach komplett verschlafen haben.
    Das Geschftsmodell ist tot, nicht weil die Nutzer bse sind, oder Diebe, oder moralisch verdorben, sondern weil die Majors ihren ureigenen Job erst nicht gemacht haben und dann noch die eigene Kundschaft bekmpft und kriminalisiert haben. Ich kaufe schon seit dem Jahr 2000 konsequent keine Audio-CDs mehr (Ausnahmen kleiner Labels ohne Kopierschutz besttigen die Regel). Boykott. Ich lade auch nichts illegal herunter btw.
    Es gibt genug legale Musik im Netz.
    Und ich werde auch weiter nichts von denen mehr kaufen, selbst wenn die irgendwann die Kurve kriegen sollten. Die haben so viele Minuspunkte bei mir und vielen anderen gesammelt, dass die ruhig alle bankrott gehen knnen. Darunter mache ich es schon lange nicht mehr. Moralisch verkommen war das, was Ende der 90iger passiert ist, nicht das was die Nutzer bis heute tun.
    Es gibt kein Perpetuum Mobile, auch nicht in der Wirtschaft und schon gar nicht fr die Musikindustrie. Nicht weniger verlangen diese Leute aber. Einmal Energie reinstecken und auf immer kassieren. Das nenne ich moralisch versifft.

  34. JBS283 17. September 2010 at 18:05 #

    "Nach dem Staat zu rufen, um sich durch Regulation die neuen Mitbewerber vom Halse zu halten, ist alles andere als liberal. Unternehmen die es nicht schaffen in einem freien Marktumfeld einen Nutzen zu schaffen und diesen in Geld zu verwandeln haben keine Daseinsberechtigung; das lernen Manager eigentlich im ersten Semester des BWL-Grundstudiums."

    Hier hab ich herzhaft gelacht. EPIC!

  35. engeltr 17. September 2010 at 19:08 #

    @grz:
    Selten so gelacht. Und es zeigt auch, dass die meisten die sich hier besttigt fhlen wenig "wissen", wie viele Leute raubkopieren. Aber nur zur Info, auch Zeitungen werden eingescannt (mittlerweile wird meistens die Pdf-Ausgabe genommen), um diese dann tglich Morgens zu verffentlichen. Und das im "ffentlichen" Teil der "Hax0r"-Szene. [a la mygully, boerse und co]

  36. The Pi 17. September 2010 at 22:12 #

    Ich sehe das zunchst normativ, dann pragmatisch und muss mich letztlich immer ber die Verbitterten und Unrealistischen in dieser Debatte wundern.

    Jeder Schaffende sollte einen Lohn haben. (normativ)
    Alles muss sich ndern, damit es bleibt wie es ist. (pragmatisch)
    Eine vernetzte Gesellschaft findet keinen Weg, Schranken und Verknappungen zu umgehen? (unrealistisch)
    Verbitterung: An dem Scheitern veralterter Geschftsmodelle ist die bse Welt Schuld.

    Der territoriale Rechtsraum war immer schon Bedingung fr den Markt – keine Frage. Die Idee, Geschftsmodelle durch den Staat zu garantieren ist mir trotzdem etwas zu italienisch. Mssten die Verlage dann nicht auch irgendwann ihre Archive lschen? Glaubwrdigkeit sieht anders aus..

    So sehr ich Qualitt zu schtzen wei: warum sollte diese etwas mit alt-journalistisch anmutenden Personen zu tun haben, die z.B. schon in dem Stilmittel der Zuspitzung und der Polemik fast ein Verbrechen sehen (s.o.)? Auch wenn die Beispiele 'Ebay' und 'Amazon' vielleicht nicht die besten waren: Wer sich zu lange auf sein verknapptes Medium verlassen hat und glaubt, die wichtigsten Diskussionen und Auseinanderstezungen wrde man dann mit dem Gesetzgeber fhren, hat das mit der Demokratie noch nicht ganz verstanden oder verwechselt da was.

    Das Problem ist doch gar nicht eine vermeintliche Gratiskultur, sondern die Vermarktung von Internetangeboten und -Flchen, die ja weiterhin gut besucht sind. Massenpublika sind in einem so messbaren Medium wie dem Internet mit seinen Clickthroughs und Conversions einfach schlechter zu verkaufen. Die Produkte mssen sich also ndern. "Unternehmen, die unternehmen" knnte man das sogar – berraschenderweise – nennen. 😉

    Die Verbitterung ber eine Gratiskultur ist doch auch eine sehr subjetive Polemik und wurde damit oben durchaus angemessen kritisiert. Die Diskussion, wie man in Zukunft auch fr Geld arbeitet, muss gefhrt werden: normativ also – glaube ich zumindest – allgemein kein Dissenz. Die Realitt des Netzes mit Lanzen zu bekmpfen? Schiebt die Pragmatik doch nur weiter auf. wie bisher.

  37. xub 18. September 2010 at 7:49 #

    @engeltr
    Das "Ob" ist reichlich unspannend. berall wo Menschen betrgen knnen, wird es irgendwann jemand tun. Die viel spannendere Frage ist: Wird das mit der Bild-Zeitung gemacht? Wie oft wird es genutzt? Immer mit Raubkopierern zu argumentieren ist Augenwischerei. Wenn der Markt das einfach nicht annimmt, wenn der Markt zu Alternativen wechselt (ich meine andere Zeitschriften u..), ist das kein Problem, was durch Raubkopieren verursacht wird.
    Ich habe, da ich selbst fr einen Kunden etwas im Apple-Store entwickelte und sich die massive Werbung der Bild dann berschnitt, beobachtet.
    Mittlerweile spricht keiner mehr drber habe ich das Gefhl. Und Springer wird irgendwann das Produkt fr gescheitert erklren, sonst htte man sich ob der Abo-Zahlen lngst selbst auf die Schulter geklopft. Warten wirs ab. Aber das viel spannendere sind die vielen Foren, in denen die Bild-App diskutiert wurde.
    Ich habe keinen einzigen Kommentar gesehen, der Bezahlung ablehnte. Stattdessen wurde berall geschrieben: Ich hole lieber die Spiegel-App, auch wenns teurer ist (teurer als die Print-Ausgabe, Thema fr sich). Da habe ich ein anderes Niveau und die hat weniger Fehler (die Bild-App hatte gleich eine Reihe Bugs).
    Das Widerpsricht Dpfner vllig. Gerade auf dem hochgejubelten iPhone wurde die Bild-App in Bewertungen abgestraft fr Bugs und fr das Preis-Leistungsverhltnis.
    Die fast 5 Monate dauernde Quasi-Flat fr 79 Cent wurde noch angenommen. Mehr schien das Produkt nicht Wert zu sein, sonst htte Springer wie gesagt schon lngst "Rekordmeldungen ber die zehntausenden/hunderdtausenden Abos" vermeldet. Es wird ein gravierendes Ungleichgewicht zwischen den 100.000 Usern geben, die es einfach mal ausprobierten und denen, die als Abonnent dabei geblieben sind. Experiment gescheitert, zeitgleich sind andere aber erfolgreich. Also krankt es am Produkt selbst.

  38. engeltr 18. September 2010 at 10:06 #

    @xub:
    Du bersiehst einen wichtigen Punkt bei der Bild-App: Welche Person, die ein iPhone (Teuer) hat, kauft denn regelmig die Bild (Billig und inhaltlich Umsonst)…

  39. Tigerle 18. September 2010 at 13:59 #

    Zum Thema Geld einnehmen DURCH die Kostenlos-Mentalitt des Internets mchte ich gerne einmal beschreiben, wie es bei Pen&Paper-Rollenspielen aussieht:
    FanPro (Verlag von Pen$Paper-System wie z.B. DSA) bringt jhrlich Unmengen an Material heraus. Diese kann aber kaum jemand alle kaufen. In Zeiten des Internets stellt dies natrlich kein Problem dar: Man holt sich die Sachen per EMule und hnlichen zweifelhaften Quellen. Dies macht man ebenso mit vergriffenen Werken. Das sieht jetzt natrlich nach grossen Verlusten fr den Verlag aus. Aber andererseits sind die Werke des Verlages zumindest inhaltlich von guter Qualitt.
    Man sieht sehr oft, dass sich die Autoren wirklich Mhe geben. Ausserdem spielt man die Systeme gerne und wird wirklich eine Art Fan. Jetzt will man aber die Produkte auch kaufen und wirklich im Schrank stehen haben, auch wenn man diese schon auf dem Rechner hat. FanPro htte sicher nicht soviele Kunden. wrde es das Internet nicht geben und wrden nicht zum Teil die Werke unter der Hand weitergegeben werden. Jedes illegal weitergegebene Werk macht Werbung und erzeugt neue Kunden!

    Um jetzt wieder zu Dpfner und den Verlagen zurckzukehren:
    Es gibt zwischen FanPro und den Zeitungsverlegern einen grossen Unterschied: Die Qualitt der Inhalte! Aktuell gibt es kaum eine Zeitung, die wirklich gute Qualitt liefert. Und in puncto Internetauftritt sieht es hufig noch dsterer aus! Die Verleger haben im Grunde im Netz nur eine Chance, wenn sie verstehen, dass ihre Produkte selber deren beste Werbung sind. Und dies gilt im Internet im besonderen Mae!

  40. engeltr 18. September 2010 at 14:55 #

    @tigerle:
    Was? Wie hole ich mir denn bitte die Brettspiele per eMule? Nein, ernsthaft, den grten umsatz macht FanPro mit Bchern (meines Wissens nach, ich beschftige mich aber auch nicht sonderlich damit). Die werden nicht kopiert.

    Nur weil du keine hochqualitativen Zeitungen kennst, ist das noch lange kein Zeichen dafr, dass es sie nicht gibt. FAZ,FTD, Handelsblatt, Welt, alles das sind Zeitungen die auch gute Internetauftritte haben.
    Und das Problem ist eher folgendes: Diese Qualitt kostet Geld. Wenn nun aber Webseiten den Artikel nehmen und so aufbereiten, dass die Leser zu einem Groteil nicht auf die Quellseite gehen bzw. die Zeitung kaufen, dann ist das ein Problem.

  41. Fargurd 18. September 2010 at 22:43 #

    Ein sehr gelungener Artikel. Ich wollte mich an dieser Stelle dafr bedanken, dass ich diese Information kostenlos erhalten habe, umsonst war sie definitiv nicht.

    Und selbst wenn das Internet kommunistisch wre (was es nicht immer ist), dann wre es auch kein Weltuntergang. Schlielich stehen hinter jedem System Menschen, ob jetzt hinter der BILD oder dem Internet. Wenn die Mehrheit keine Zeitung lesen will (Format, teuer, keine Lust, bla), dann ist das eine Mehrheitsentscheidung, da kann auch der Staat knstlich nichts retten. Und wenn doch knnen wir ja nochmal ber die DDR heulen. Von wegen schlanker Staat, ich lach' mich kaputt.

  42. Tillmann 18. September 2010 at 23:28 #

    Wre schn, wenn in dieser Diskussion irgendwann einmal ein paar neue Argumente auftauchen wrden. Die immer wieder auftauchende Mr, dass auch fr Printangebote noch nie gezahlt worden sei, ist Quatsch. Qualittsmedien beziehen etwa 50 Prozent ihrer Erlse aus dem Vertrieb in jngerer Zeit ist der Vertriebsanteil eher gestiegen. Und dieser Printjournalismus finanziert heute noch zum groen Teil die redaktionellen Angebote im Netz, die bis auf wenige Ausnahmen nicht profitabel sind. Online-Leser vertrauen bei ihrem Nachrichtenkonsum also auf Marken, die zum Groteil von Print-Lesern und Print-Werbung finanziert werden. Und wer sich mal in den Kommentarspalten umschaut, wird feststellen, dass sie sehr hohe Ansprche an die Qualitt und Verantwortung dieser Medienmarken haben. Die Zahl der Printleser wird schrumpfen, die der Onlineleser steigen. Also wird man im Netz fr die guten Inhalte, die es jetzt schon gibt, knftig zahlen mssen. Ansonsten werden sie nicht finanzierbar sein. brig bleibt dann Informationsschrott und Brgerjournalismus.

    Ich glaube, ein Groteil der Leute, die sich ber die Verlage echauffieren, machen sich wenige Gedanken darber, dass wir in Deutschland tatschlich eine sehr hochwertige Medienkultur haben. In Italien und einigen anderen europischen Lndern kann man sehen, wie es anders aussehen kann. Wenn sich diese Medien knftig nicht mehr finanzieren knnen, werden wir sie sehr vermissen. Eine gute Demokratie braucht gute Medien – und ich wrde mal nicht darauf vertrauen, dass der freie Markt schon alles richten wird.

    brigens: Wenn der Autor der berzeugung ist, dass Medien ihre Existenzberechtigung gerade den Gesetzen des Marktes verdanken, msste er eigentlich grter Fan der von ihm (und mir) gescholtenen Bild-Zeitung sein. Denn fr die zahlen Millionen deutsche jeden Tag brav 60 Cent am Kiosk.

  43. contra 19. September 2010 at 7:19 #

    Der richtigen Sache ist mit falschen Argumenten nicht geholfen. Hier wird schlicht spekuliert: ber die Beweggrnde der Nutzer, darber, ob sie die Inhalte gekauft htten, wenn sie nicht kostenlos verfgbar gewesen wren, ber ihre konomische Kompetenz – dieser Artikel legt die Vermutung nahe, dass es eine Umsonstmentalitt auch bei der Produktion von Internetinhalten gibt: Kostenlose Meinung anstelle teurer Fakten.

  44. engeltr 19. September 2010 at 10:03 #

    @Fargurt:
    Ahahaha. Wenn keiner mehr Zeitung lesen will ist das ja auch kein Problem. Zum Problem wird es, wenn die Texte der Zeitungen dann im Netz auftauchen. Merkst du was?

  45. dfIas 19. September 2010 at 10:56 #

    U. a. "… in der Welt angkommen …" mit richtigem "angekommen", "… liege daran dass …" mit Komma vor "dass", "… zum verschwinden …" bitte mit groem "Verschwinden" – danke!

  46. tin 19. September 2010 at 15:14 #

    @engeltr
    Nur beobachte ich mit meiner Bezahlzeitung tglich: Die Texte, die ich heute online lesen kann stehen morgen gedruckt in der Zeitung. Ob ich dafr weiterhin das teure Abo bezahlen soll? Hard-Copies machen kann mein Drucker auch.

  47. Pedro 19. September 2010 at 15:42 #

    Viele Geschfte werden ber das Internet abgeschlossen und das wre wohl nicht so, wenn man da kein Geld mit verdienen kann. Die Leistungen die heutzutage kostenlos sind werden durch Werbung finanziert.

  48. Andreas Lutz 19. September 2010 at 22:22 #

    Da kann ich nur zustimmen.

    Die maulenden Unternehmen an der Stelle knnen "Inhalt der es nicht wert ist" nicht von "Inhalt der es wert ist" unterscheiden.

    Wenn ich Nachrichten anbiete die ich berall lesen kann und von dem vielen Kopieren nicht einmal mehr ausmachen kann wer der eigentliche Urheber ist, dann mchte ich dafr nicht zahlen.

    Wenn ich mir berlege, dass verschiedene Medien wirklich glauben die Leute wrden fr einfache Nachrichten im Internet mehr zahlen als fr eine Zeitung bei der sie auch noch Portokosten, Papier und Druckkosten leisten, dann haut mich das um.

    Wenn man dann noch hrt, dass nicht einmal ein Bruchteil der Redakteure fr den Online Teil verantwortlich ist, wobei die anderen alle Nachrichten fr die Zeitung tippen und die auch noch schlechter bezahlt sind, dann frag ich mich wo wir angekommen sind.

  49. xub 19. September 2010 at 23:09 #

    @Andreas Lutz: Das ist auch ein spannender Punkt. Den vergisst man gerne. Aber wie oft steht auf der Bild-Homepage eine Schlagzeile "XYZ". Wenig spter auch bei T-Online. Dann bei Yahoo, dann bei GMX/Web.de, dann bei Sportbild usw. bei genauerem Hinsehen kamen die alle von einer Presseagentur und wurden "aufbereitet" (Rechtschreibfehler wurden zum Beispiel ergnzt). Und so geht es Tagein Tagaus. Die Qualitt, die redaktionelle Leistung? "Leistungsschutzrecht". Das Wort sagt doch bereits was aus. Oder zielt Dpfner womglich auf Agenturen ab, die mit Verweis auf die Bild-Zeitung Meldungen verbreiten die dann teils ohne Quellenangaben von anderen Zeitungen wiederverwertet werden?
    Wre ja skandals, da insbesondere auch die Bild sehr von Agentur-Meldungen lebt…
    Aber eine spannende Geschichte, wie sich Dpfners Forderung in Bezug auf Nachrichtenagenturen verhalten wrde. Per se sind sie ja zunchst keine Verlage…

  50. spltny 1. Oktober 2010 at 5:32 #

    "Die Menschen waren schon immer bereit fr Nutzen bzw. Mehrwert zu bezahlen, und sie sind es auch im digitalen Zeitalter noch."

    Nicht, wenn es den gleichen Nutzen einen Klick weiter kostenlos gibt. Und das ist online in nahezu allen Bereichen, in denen es um digitalisierten Content geht, der Fall. Ausnahmen finden sich immer, die Regel aber lautet: kostenlos.

    "Wie ist zum Beispiel der Erfolg von Amazon, Ebay und hundertausender andere E-Commerce Websites zu erklren, wenn die Internetnutzer einer Gratiskultur zuzuordnen wren?"

    Das sind Verkaufsplattformen, die handfeste Waren anbieten. Hat mit Paid Content rein gar nichts zu tun. Soll das jetzt die These sttzen? Ich lach mich tot. Meinen sie, berhrbare Gter wrden verschenkt?

    "Wie ist es mglich, dass es tausende von kostenpflichtigen Cloud Computing Produkten mit zum Teil Millionen von Benutzern gibt und deren Wachstumsraten fast jede andere Branche sprachlos machen, wenn im Internet eine Gratiskultur vorherrschte?"

    Wovon reden Sie? Ich vermisse Beispiele. Ach ich verga, hier ist die Twitter-Geek-Community angesprochen. Cloud Computing und so, verstehe. Mit den 99% Normalbrgern reden wir ja gar nicht mehr. Die haben ja eh keine Ahnung.

    "Wie konnte Apple 10 Milliarden Songs online verkaufen, wenn die Leute nicht bereit gewesen wren im Internet zu bezahlen?"

    Indem sie proprietre Produkte anbieten, die Nutzer in eine gated community einsperren und ihre Produkte versuchen, kopiergeschtzt zu machen. Sollte man jedem empfehlen, der mit Online-Content Geld verdienen will. Wenn Sie allerdings mich fragen, ich finds doof.

    "Von einer Gratiskultur zu sprechen weil ein paar Teenager Filme, Spiele und Musik downloaden, die sie sowieso nicht htten bezahlen knnen und deswegen auch nie gekauft htten, ist absurd."

    Den Leuten mit irgendwelchen seit Jahren ausgelutschten Standardbeispielen der blichen Big Player zu kommen und damit versuchen, zu begrnden, warum sich Paid Content auch sonst berall, speziell in den Medien durchsetzt, ist mindestens genau so absurd. Ich kann nicht glauben, was fr ein verblendeter Haufen "Berater" sich im Netz eingenistet hat. Hat auch nur einer von Euch schon einen eigenen Erfolgsnachweis erbracht, der die Thesen sttzt? Sprich, tatschlich vernnftiges Geld nur mit Inhalten verdient? Wusst ichs doch, die Finger bleiben unten.

    Die Zeitungsverlage machen brigens das wirtschaftlich einzig Vernnftige. Offline so lange Geld verdienen wie mglich, und danach abwickeln, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.
    Sind sie Wirtschaftswissenschaftler? Nein, dacht ich mir. Aber Hauptsache mal mitreden, und falsche Ratschlge verteilen, wie all die anderen Spezialexperten hier, nicht wahr..

  51. tin 1. Oktober 2010 at 7:18 #

    @spinty
    Haben Sie wirklich den Eindruck, Argumente wrden wahrer, wenn hier mglichst berheblich formuliert wird?

  52. Kommentator 1. Oktober 2010 at 11:25 #

    In den Kommentaren steht so viel undurchdachtes von Leuten, die anderen Leuten undurchdachte Kommentare vorwerfen.

    Adobe Photoshop z.B. verdankt seine Marktmacht zu einem erheblichen Mae eben jenen Raubkopien, weswegen sie seit Jahr und Tag kaum etwas dagegen unternehmen. Erst seit kurzem bekommt Adobe den Privatkunden berhaupt in den Blick. Schon immer richtete sich der Blick auf die professionellen Fotografen und Designer, das zeigten Portfolio, Preis und Politik der Firma. Die vielen Hansels die erst privat jahrelang Erfahrung mit einem Firmenprodukt sammeln, die keine Berufsschule wettmachen kann, die das Produkt breit bekannt machen und durch pures herbeireden zu einem Markstandart gemacht haben, sind Teil Adobes wirtschaftlicher Basis, nicht bse Raubkopierer. Sowohl MS als auch Adobe haben das schon immer verstanden (Stichwort: wenn schon raubkopiert wird, dann doch bitte unsere Produkte).

    Amazon ist mitnichten nur mit Bchern grogeworden, Bcher wurden sehr wohl schon immer (im Sinne von vielen hundert Jahren) raubkopiert und ich im Internet spielten Buchscans Ende der 90iger eine nicht unerhebliche Rolle. Aber im Gegensatz zu vielen schlecht gemachten CDs bietet ein Buch eben noch einen echten Mehrwert gegenber einem Ausdruck eines Buches auf dem eigenen Drucker. Die Musikindustrie hat das Internet verschlafen (Napster wurde nicht nur populr weil umsonst, sondern auch weil die EINZIGE Mglichkeit digital Musik zu "erwerben" seiner Zeit). Die Musikindustrie hat aber auch bei den klassischen Medien geschlafen. Das Robbenalbum der rzte kann man nicht so einfach raubkopieren. Nicht wegen eines Kopierschutzes, sondern weil z.B. die Hlle innovativ ist, das Booklet interessant usw. . In dem Bereich ist die MI bis heute zu faul ihren Job zu machen. Sie knnen mir nichts anbieten? Dann kauf ich halt nichts.

    Die herablassende Art mit der nach Wirtschaftswissenschaftlern gefragt wird? Ich frage gern zurck: welcher Wirtschaftswissenschaftler verdient denn (oder indirekt eine Firma mit seinem Konzept) mit seinem Konzept Milliarden im Netz? Oh, auch alle Daumen unten. Naja … Komischerweise schaffen das Nichtwirtschaftswissenschaftler, wie z.B. Itunes. Ja: Itunes ist Walled-Garden, und nein, der Kopierschutz ist nicht der Grund, warum es funktioniert. Viele Stcke haben keinen und Itunes verkauft teilweise nackte MP3s. Auch ein wohlbekannter russischer Anbieter verkauft ungeschtzte Stcke und kann sich vor Kuferansturm kaum retten. Aber hey, der will auch nicht 99 Cent fr ein paar Bits und Bytes, ist innovativ (bietet verschiedene Codecs fr jeden Geschmack) und schert sich nicht um althergebrachtes (welchen Sinn haben Vermarktungsschranken im Internet?).

    Der Punkt ist: im Internet ist deutlich schwerer und weniger Geld zu verdienen als Offline mit gleichen Mitteln, weil das Konzept der knstlichen Verknappung nicht mehr funktioniert. Das ist mMn nichts schlechtes, im Gegenteil.
    Das Argument man knne keine Paywall aufbauen, wenn es nebenan alles umsonst gibt ist fadenscheinig: damit gibt man nur zu, dass die eigene Qualitt so schlecht ist, dass die Konkurrenz fr lau (sprich durch Onlinewerbung) mithalten kann. Da stellt sich mir als Kunden tatschlich die Frage, warum ich dafr bezahlen soll.

    Es ist aber immer wieder interessant zu sehen, wie die Apologeten der Marktwirtschaft diese pltzlich fr nicht mehr ausreichend halten, wenn ihr Geschftsmodell nicht mehr trgt. Da werden Patente, Copyrights und nun Leistungsschutzrechte erfunden, um sich der kleinen Konkurrenz zu erwehren. Allein das Copyright hat in diesem Kanon, und auch nur in deutscher Ausprgung, berhaupt eine Existenzberechtigung.

  53. wizard 18. November 2010 at 10:44 #

    Alles klar Andreas, du hast es perfekt beschrieben.
    Wenn sich Leute auch politisch genau fr diese Dinge engagieren mchten, bitte bitte untersttzt die Piratenpartei Schweiz!
    Es braucht dieses Gegengewicht um die bereits gekauften Politiker zu entschrfen, die nur das nachplappern was ihnen die Medienhuser sagen, in deren Verwaltungsraten sie hocken.

    Siehe http://www.piraten-partei.ch/ insbesondere das Parteiprogramm Urheberrecht

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